Psychologische Sicherheit: Erfolgsfaktor in der Teamführung

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Nie war mehr Veränderung als jetzt: In unser heutigen VUCA Welt müssen wir alle lernen, uns agil an neue Situationen, Bedürfnisse und Herausforderungen anpassen und bestmöglich darauf reagieren zu können. Dies ist jedoch leichter gesagt als getan, denn mit Veränderungen geht oftmals auch negative Gefühl wie Unsicherheit, Überforderung oder Hilflosigkeit einher – das gilt fürs Privat- aber insbesondere auch fürs Berufsleben. Denn gerade in herausfordernden Zeiten ist es von entscheidender Bedeutung, dass Mitarbeiter:innen sich sicher und wohl fühlen, um auch unter Druck leistungsfähig zu bleiben und nicht kopflos zu agieren. Daher ist es wichtiger denn je, dass Führungskräfte ihren Mitarbeitenden und Teams genau diese psychologische Sicherheit vermitteln. Doch was genau ist psychologische Sicherheit und wie kann sie in der Arbeitsumgebung gezielt gefördert werden?

Psychologische Sicherheit: Was ist das?

Im beruflichen Kontext bezieht sich psychologische Sicherheit auf das Vertrauen, dass Mitarbeitende oder Teams in ihr Arbeitsumfeld haben. Sprich, ihnen wird das Gefühl vermittelt, dass ihre Meinungen und Ideen geschätzt werden und Feedback sowie Verbesserungsvorschläge willkommen sind.

Die Vorteile psychologischer Sicherheit in der Teamführung

Ein Arbeitsumfeld, in dem psychologische Sicherheit vermittelt wird, wirkt sich positiv auf die Mitarbeitenden, Teams und letztendlich auf das gesamte Unternehmen aus. Hier einige der wichtigsten Vorteile im Überblick:

  1. Kommunikation: Wenn die Mitarbeitenden darauf vertrauen können, ihre Meinung und Ideen frei äußern zu können, wird die Kommunikation innerhalb des kompletten Teams offen und transparent. Dies fördert den Austausch von Visionen und fördert die Kreativität (siehe Punkt 2).
  2. Kreativität und Innovation: Eine Belegschaft, die ohne Angst vor Scheitern dazu bereit ist, Risiken einzugehen und neue Ideen auszuprobieren, kann kreativer und innovativer sein. So wird automatisch die Entwicklung neuer Produkte beschleunigt, wodurch die Organisation anschluss- und wettbewerbsfähig bleibt.
  3. Fehlerkultur: Ein Arbeitsumfeld, das von psychologischer Sicherheit geprägt ist, führt automatisch zu einer besseren Fehlerkultur, die dazu ermutigt, Fehltritte frühzeitig zu melden, sodass man gemeinsam eine schnelle Lösung finden kann und anschließend entsprechende Learnings aus der Situation gezogen werden können.
  4. Mitarbeiterbindung und -zufriedenheit: Eine Kultur der psychologischen Sicherheit kann dazu beitragen, die Mitarbeiterbindung und -zufriedenheit zu steigern. Und wer sich sicher und wertgeschätzt fühlt, ist eher bereit, seinem Unternehmen treu zu bleiben.
  5. Höhere Produktivität: Eine Umgebung, in der die Belegschaft sich sicher fühlen kann, wirkt sich positiv auf Motivation und Produktivität aus: Arbeitnehmende, die wissen, dass ihre Meinung gehört wird, sich geschätzt fühlen du sich bewusst sind, dass sie ein wichtiger Teil des Teams sind, sind eher dazu bereit, die Extrameile zu gehen.
  6. Bessere Zusammenarbeit: Last but not least trägt psychologische Sicherheit den Teamgeist und wirkt sich allgemein positiv auf die Zusammenarbeit aus: Mitarbeitende, die sich sicher fühlen und Vertrauen in ihre Kolleg:innen haben, arbeiten besser zusammen und unterstützen sich gegenseitig.

Die Vorteile, die psychologische Sicherheit im Arbeitsalltag mit sich bringt, sind also vielfältig. Doch wie können Führungskräfte eine entsprechende Umgebung der Sicherheit für Ihre Belegschaft fördern und implementieren?

Psychologische Sicherheit gezielt fördern: 3 effektive Tipps für Führungskräfte

  1. Respekt und Vertrauen zeigen: Führungskräfte müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Mitarbeitenden Ihnen vertrauen. Um dies zu gewährleisten, müssen sie allerdings mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Mitarbeitenden respektvoll zu behandeln und ihnen ihrerseits vertrauen. Damit dies gelingen kann, müssen Führungskräfte und ihre Teams und Arbeitnehmer:innen in Entscheidungsprozesse einbeziehen, und ihnen so die Möglichkeit geben, Verantwortung zu übernehmen und wirksam zu werden (siehe Punkt 2).
  2. Empowerment: Gezieltes Empowerment trägt maßgeblich zur Förderung der psychologischen Sicherheit bei. Indem Mitarbeitenden Mitspracherecht eingeräumt wird und sie eigenverantwortlich Entscheidungen treffen dürfen, wird ein Gefühl der Beteiligung, Wertschätzung sowie Zusammengehörigkeit vermittelt. Gleichermaßen werden Selbstständigkeit, (Selbst)Vertrauen, Zufriedenheit und Kreativität gefördert. Empowerment kann allerdings immer nur auf Basis gegenseitigen Vertrauens gelingen. Damit die Belegschaft ihren erweiterten Handlungsspielraum auch aktiv nutzen könne, muss sie sich ihrer Verantwortung bewusst sein und damit umzugehen wissen. Für Vorgesetzte gilt es an dieser Stelle in die Expertise ihrer Mitarbeitenden zu vertrauen. „Loslassen” ist hier das Schlüsselwort.
  3. Fort- und Weiterbildungen: Regelmäßige Angebote für Schulungen und Trainings können nicht nur dazu beitragen, das Wissen und die Fähigkeiten der Mitarbeitenden auf- und auszubauen. Sie fördern gleichzeitig eine Atmosphäre der psychologischen Sicherheit und das Vertrauen in die Unternehmensführung: Fortbildungsmaßnahmen vermitteln den Mitarbeiten ein Gefühl der Wertschätzung, da man an sie glaubt und in ihre Zukunft investiert.
  4. Feedbackkultur fördern und pflegen: Auch in Bezug auf Kritik und Feedback ist es wieder Aufgabe der Führungskraft mit gutem Beispiel voranzugehen, indem sie sich selbst stets offen für Feedback und konstruktive Kritik zeigt und Verbesserungsvorschläge nicht zur Kenntnis nimmt, sondern auch aktiv umsetzt. Dadurch wird ein Umfeld geschaffen, indem sich Mitarbeitende trauen, ihre Meinung zu äußern und Feedback gleichermaßen als Chance zur Weiterentwicklung zu betrachten. So sind sie sich bewusst, dass es nicht darum geht Kritik zu äußern, sondern die Zusammenarbeit langfristig zu verbessern.

Fazit: Indem Führungskräfte auf diese Aspekte achten und ihre Mitarbeiter unterstützen, können sie ein positives und sicheres Arbeitsumfeld schaffen, das zur Motivation und Produktivität beiträgt. Diese Investition lohnt sich definitiv, denn psychologische Sicherheit wirkt sich positiv auf Engagement, Produktivität und Zufriedenheit der Belegschaft aus. Darüber hinaus kann sie dazu beitragen, dass Organisationen besser auf Veränderungen und Herausforderungen reagieren können, da die Mitarbeitenden eher bereit sind, sowohl neue Ideen und Ansätze auszuprobieren als auch anzunehmen – das ebnet den Weg für Innovationen.

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Über den:die Autor:in

Sebastian Kindler

ist Diplom-Pädagoge und Produktmanager für die Themen Management, Führung und Leadership bei der Haufe Akademie.

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