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Aufhebungsvertrag für Arbeitgeber: Der komplette Leitfaden zur rechtssicheren Gestaltung

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Ein Aufhebungsvertrag kann ein fairer Weg sein, sich beruflich zu trennen. Damit das gelingt, sind Erfahrung, rechtliche Sicherheit und ein klares Vorgehen wichtig. Wer sich frühzeitig vorbereitet, vermeidet typische Fallstricke und schafft eine verlässliche Grundlage für alle Beteiligten. Dieser Artikel gibt einen verständlichen Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen, liefert praxisnahe Tipps und anschauliche Beispiele für die professionelle Umsetzung.

Definition: Was ist ein Aufhebungsvertrag?
Ein Aufhebungsvertrag ist eine einvernehmliche und schriftliche Vereinbarung, die ein bestehendes Arbeitsverhältnis aufhebt. Der Vertrag beendet das Schuldverhältnis zwischen dem Arbeitgeber und den Arbeitnehmenden. Auf diesem Weg umgehen beide Parteien eine betriebsbedingte Kündigung oder langwierige Kündigungsprozesse. Alternative Bezeichnungen für Aufhebungsvertrag sind Auflösungsvertrag oder Aufhebungsvereinbarung.

Wann ist ein Aufhebungsvertrag sinnvoll?

Ein Aufhebungsvertrag lohnt sich vor allem dann, wenn eine Kündigung keine Option ist. Denn in manchen Fällen zieht eine betriebsbedingte Kündigung eine Kündigungsklage nach sich, die einem Drahtseilakt ähnelt – mit ungewissem Ausgang und möglichen Risiken. Falls das Arbeitsverhältnis also auf Grund von persönlichen oder fachlichen Eignungsmängeln oder Konflikten beendet werden soll, ersparst du dir als Arbeitgeber den möglichen Gang vor Gericht. Außerdem bist du mit dem Aufhebungsvertrag an keine Kündigungsfrist gebunden.

Außerdem musst du mit einem Abfindungsvertrag keinen Sonderkündigungsschutz berücksichtigen. Eine Anhörung im Betriebsrat ist nicht notwendig. Zusammengefasst ist der Aufhebungsvertrag das Mittel der Wahl, um ein Arbeitsverhältnis möglichst schnell und diskret zu beenden. Das ist auch ohne Kündigungsgrund möglich.

Rechtliche Grundlagen für Arbeitgeber

Im Zusammenhang mit dem Aufhebungsvertrag solltest du einige rechtliche Grundlagen im Auge behalten.

  1. Die Schriftform ist unerlässlich

Mündliche oder digitale Vereinbarungen sind nicht rechtsgültig, weshalb du den Aufhebungsvertrag unbedingt schriftlich abschließen musst (§ 623 BGB).

  1. Aufatmen bei den Fristen

Der Abschluss eines Aufhebungsvertrages ist in der Regel nicht an gesetzlich festgelegte Fristen gebunden. Du kannst den Aufhebungsvertrag also unabhängig von einer Kündigungsfrist schließen, solange keine vertraglichen oder tariflichen Regelungen entgegenstehen.

  1. Druck oder Nötigung entzieht die Gültigkeit

Wenn der Arbeitgeber eine psychische Drucksituation schafft oder ausnutzt, kann der Vertrag unwirksam sein. Im Extremfall kann ein solcher Vertrag als sittenwidrig gelten (§138 BGB). Beispiele für solche Drucksituationen sind:

  • ohne rechtliche Grundlage eine Kündigung androhen, oder
  • Arbeitnehmende dazu drängen, den Vertrag sofort zu unterzeichnen, ohne ausreichend Zeit für rechtliche Beratung zu lassen.
  • Zusätzlich verbietet das AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) Diskriminierung aufgrund von Rasse, Geschlecht, Religion, Behinderung und anderen Merkmalen. Wenn im Rahmen des Aufhebungsvertrages eine solche Diskriminierung stattfindet, ist der Vertrag ebenfalls unwirksam.
  1. Widerruf und Anfechtung

Bei einem Auflösungsvertrag besteht kein gesetzliches Widerrufsrecht, auch dann nicht, wenn der Vertrag außerhalb der Geschäftsräume (z. B. in der Privatwohnung) geschlossen wird. Eine Anfechtung kommt beispielsweise bei Täuschung oder Drohung in Betracht (§ 123 BGB). Unabhängig davon können die Vertragsparteien vertraglich ein Widerrufsrecht vereinbart werden.

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Mitarbeitergespräch professionell führen

Ein Gespräch zum Thema Aufhebungsvertrag ist wie eine Schachpartie. Jeder Zug, jede Formulierung und jede Reaktion hat Folgen. Um dein Gesprächsziel zu erreichen, musst du alle Positionen kennen, auf dein Gegenüber eingehen und empathisch reagieren.

1. Gesprächsvorbereitung

Unterlagen:

Damit während des Gesprächs keine Fragezeichen auftauchen, solltest du dir den Arbeitsvertrag der Arbeitnehmenden, etwaige Abmahnungen, Leistungsbeurteilungen und Informationen zu möglichen Abfindungen anschauen. Prüfe auch, ob vertragliche Vereinbarungen zur Kündigungsfrist oder –form bestehen, die sich auf den Aufhebungsvertrag auswirken können.

Strategie:

Erkläre in dem Gespräch transparent, dass es sich bei einem Aufhebungsvertrag um eine einvernehmliche Beendigung des Arbeitsverhältnisses handelt. Überlege dir vorab eine Strategie, wie du das Gespräch gestalten möchtest. Willst du nur eine einvernehmliche Lösung finden oder bist du auch bereit, über eine Abfindung zu verhandeln? Wenn dir deine Position bewusst ist, kannst du im Gespräch besser auf dein Gegenüber eingehen. Biete außerdem, falls die Situation emotional geladen ist, Unterstützung an und begegne dem:der Mitarbeitenden mit Empathie.

2. Gesprächsleitfaden

Inhalt:

  1. Begrüßung und Zielsetzung des Gesprächs
  2. Erklärung der Situation
  3. Vorschläge für den Aufhebungsvertrag
  4. Abschließende Erklärung

Beispiel für einen Dialog zum Aufhebungsvertrag

Vorgesetzte:r: „Hallo xy, danke, dass du dir heute die Zeit für dieses Gespräch nimmst. Wie du weißt, befinden wir uns in einer Situation, in der es leider nicht weitergeht, und ich möchte mit dir über eine Möglichkeit sprechen, wie wir dein Arbeitsverhältnis einvernehmlich beenden können. Es geht dabei um einen Aufhebungsvertrag, der uns erlaubt, das Arbeitsverhältnis zu beenden, ohne dass du einer Kündigung zustimmen musst.“

Angestellte:r: „Ich verstehe. Für mich ist das eine schwierige Situation. Was bedeutet der Aufhebungsvertrag konkret?“

Vorgesetzte:r: „Der Aufhebungsvertrag gibt dir die Möglichkeit, das Unternehmen auf eigenen Wunsch zu verlassen, ohne eine Kündigung oder eine Kündigungsklage durchlaufen zu müssen. Wir können dir eine Abfindung anbieten, die dir den Übergang erleichtert, und wir würden dir ein gutes Zeugnis ausstellen. Es ist eine einvernehmliche Lösung, die dir Sicherheit gibt.“

Angestellte:r: „Okay. Aber was passiert, wenn ich den Vertrag nicht unterschreibe?“

Vorgesetzte:r: „Das ist natürlich völlig in Ordnung. Der Aufhebungsvertrag kommt nur zustande, wenn du damit einverstanden bist. Wenn du Fragen hast oder noch etwas unklar ist, kannst du dir auch gerne rechtlichen Rat einholen. Es ist wichtig, dass du diese Entscheidung in Ruhe triffst und genau verstehst, welche Optionen du hast.“

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3.  Auf Einwände souverän reagieren

Arbeitnehmende können Bedenken oder Einwände haben, wenn es um den Aufhebungsvertrag geht. Wie du auf die Einwände reagierst, ist entscheidend, damit du das Gespräch respektvoll und lösungsorientiert gestaltest.

Infografik mit dem Titel ‚4 Methoden für einen konstruktiven Umgang mit Einwänden‘ mit vier Punkten: aktives Zuhören, offene Fragen stellen, lösungsorientierte Haltung und Beratung vorschlagen.

Abfindung aus Arbeitgebersicht

Allgemein haben Arbeitnehmende keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Abfindung. Trotzdem ist es eine gängige Praxis, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer:in mit dem Aufhebungsvertrag eine Abfindung freiwillig vereinbaren. Denn eine Abfindung zu zahlen, ist auch eine Chance. Potenzielle Konflikte lassen sich frühzeitig vermeiden, es stärkt das zwischenmenschliche Vertrauen und kann langfristige Kosten durch Gerichtsverfahren sowie Imageverluste reduzieren.

Faustformel für die Abfindung

Abfindung = 0,5 × Bruttomonatsgehalt × Anzahl der Beschäftigungsjahre

Die Abfindung sollte sich an der Dauer der Betriebszugehörigkeit und dem zuletzt bezogenen Gehalt orientieren. Jedoch ist diese klassische Abfindungsformel für Aufhebungsverträge nicht gesetzlich vorgeschrieben. In die Endsumme fließen auch weitere Faktoren wie Verhandlungsgeschick, Urlaub, Boni oder die wirtschaftliche Situation mit ein. Die tatsächliche Höhe der Abfindung weicht also möglicherweise von dem Ergebnis der Formel ab.

Bestandteile eines rechtssicheren Aufhebungsvertrags

Kategorie Inhalte Warum ist das wichtig?
Essenzielle Klauseln
  • Datum
  • Beendigung klarstellen: „auf Veranlassung des Arbeitgebers“ und/oder „aus betriebsbedingten Gründen“
  • Offene Zahlungen wie Gehalt & Boni
  • Arbeitszeugnis
  • Schriftliche Unterzeichnung von beiden Seiten
  • Klare rechtliche Grundlage
  • Schützt beide Parteien
Nice-to-have-Klauseln (unter Umständen)
  • Abfindung vereinbaren
  • Erledigungsklausel
  • Freistellung
  • Nebenleistungen (Firmenwagen, Altersvorsorge)
  • Absicherung gegen spätere Ansprüche
  • Transparenz
  • Punkte, die den Umständen geschuldet sind und im Einzelfall relevant werden
Fallstricke
  • Pauschale Verzichtsklauseln
  • Wettbewerbsverbote ohne Entschädigung
  • Urlaub / Urlaubsabgeltung
  • Sozialplan
  • ALG-I Sperrzeit
  • Häufige rechtliche Probleme vermeiden
  • Streitigkeiten minimieren

Aufhebungsvertrag – Checkliste für Arbeitgeber

Ein letzter Blick kann helfen, typische Fehler zu vermeiden. Diese Last-Minute-Checkliste fasst die entscheidenden Punkte kompakt und übersichtlich zusammen:

  • Rechtliche Ausgangslage prüfen
  • Intern im Unternehmen abstimmen
  • Wirtschaftliche Gesamtkosten kalkulieren (Abfindung + Boni, Urlaub, etc.)
  • Verhandlungsstrategie festlegen
  • Gespräch professionell und fair führen
  • Abfindung und Gegenleistung sauber prüfen
  • Vertrag rechtssicher gestalten
  • “Nice-to-have“-Klauseln gezielt einsetzten
  • Fallstricke aktiv vermeiden

Muster: Einfacher Aufhebungsvertrag

Das hier präsentierte Muster dient als Orientierungshilfe, damit du die grundlegende Struktur eines Aufhebungsvertrags nachvollziehen kannst. Das Muster umfasst wichtige Themen wie Resturlaubserteilung, Freistellungsvereinbarung, Zeugnisregelung, usw. Die Paragrafen und Überschriften solltest du mit individuellen Inhalten füllen und an deinen konkreten Fall anpassen. Diese Grundlage hilft dir, einen rechtlich und inhaltlich passenden Aufhebungsvertrag zu erstellen.

Vertrag

Zwischen

………………………… (im Folgenden „Arbeitgeber“)
und Frau/Herrn
………………………… (im Folgenden „Arbeitnehmer“)

 

wird folgender AUFHEBUNGSVERTRAG geschlossen:

  • 1 Beendigung des Arbeitsverhältnisses
  • 2 Resturlaub/Zeitguthaben/Freistellung

Optional: Vereinbarung einer bezahlten Freistellung

  • 3 Zeugnis
  • 4 Sozialversicherungsrechtliche Hinweise
  • 5 Abgeltungs- und Erledigungsklausel/Schlussbestimmungen
  • 6 Bedenkzeit/Auskünfte 
………………………… …………………………
Ort, Datum Ort, Datum
………………………… …………………………
Arbeitgeber Arbeitnehmer

 

Fazit

Ein Aufhebungsvertrag gibt Arbeitgebern eine flexible Möglichkeit, Arbeitsverhältnisse einvernehmlich zu beenden. Diese schnelle und unkomplizierte Lösung minimiert rechtlich Risiken. Allerdings erfordern das Gespräch und der Vertrag selbst eine sorgfältige Planung, damit der Aufhebungsvertrag sowohl rechtlich als auch wirtschaftlich vorteilhaft für dein Unternehmen ist.

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FAQ

Was ist beim Abschluss mit besonders geschützten Arbeitnehmergruppen zu beachten?

Bei besonders geschützten Arbeitnehmergruppen (z.B. Schwangere oder Schwerbehinderte) ist ein Aufhebungsvertrag rechtlich erlaubt, aber sehr sensibel. In diesem Fall müssen Arbeitgeber besonders darauf achten, Freiwilligkeit, Transparenz und saubere Dokumentation sicherzustellen.

Wie kann der Betriebsrat dennoch eingebunden werden?

Der Betriebsrat muss einem Aufhebungsvertrag nicht zustimmen – du kannst ihn aber strategisch einbinden. Transparente Information und klare Rollen reduzieren Eskalationen, stärken die Freiwilligkeit und schützen den Arbeitgeber vor rechtlichen und kulturellen Folgeschäden.

Welche Auswirkungen hat der Aufhebungsvertrag auf das Arbeitslosengeld?

Ein Aufhebungsvertrag kann bei Arbeitnehmenden eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld auslösen. Beachten Arbeitgeber dieses Risiko nicht oder handhaben es falsch, kann das zu Vertrauensverlust, Nachverhandlungen oder rechtlichen Auseinandersetzungen führen.

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Online-Redaktion