Resilienz im Berufsalltag

1

Erfahren Sie, warum und wie Sie Resilienz in Ihren Arbeitsalltag integrieren können. Die nachfolgenden Beiträge erklären Ihnen die Vorteile und den Nutzen.

  1. Resilienz – wieso, weshalb, warum von Ella Gabriele Amann
  2. 7 Resilienz Tipps für mehr Gelassenheit im Arbeitsalltag von Tanja Volke-Groh
  3. 6 Schritte für mehr Resilienz im Projekt von Stephanie Borgert
  4. Resilienz Training – Die FOCUS-Redakteurin Beate Strobel im Interview

Resilienz – wieso, weshalb, warum

von Ella Gabriele Amann am 11. Januar 2016

Die neue Arbeitswelt 4.0 ist in aller Munde. Digitaler Wandel, Globalisierung und die weltweite Vernetzung von Produktionsabläufen haben dafür gesorgt, dass unsere Arbeit in den letzten 15 Jahren schnelllebiger, komplexer und unberechenbarer geworden ist. Auch die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben werden immer fließender. Planen war gestern, heute zählt für viele Mitarbeiter rasantes Reagieren und Lernen in Echtzeit. Unternehmen sind stärker von marktwirtschaftlichen Schwankungen und plötzlichen Krisen bedroht. Um diese bewältigen zu können, müssen Mitarbeiter, Führungskräfte aber auch Organisationen immer mehr Agilität, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit zeigen. Und so ist in den letzten Jahren ein neues Zauberwort in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt: Resilienz.

Was versteht man unter Resilienz?

Im deutschen Sprachgebrauch ist Resilienz auch als „Die Kunst der Stehaufmännchen” bekannt. Resilienz umschreibt die Fähigkeit eines Menschen oder eines Systems, aus Phasen hoher Belastungen, Krisen und aus widrigen Umständen – im besten Fall sogar – gestärkt hervorzugehen. Vergleichbar mit unserem Immunsystem, welches unseren Körper vor Krankheiten schützt, steht die Resilienz für das Immunsystem unserer Psyche oder unserer Seele, welches uns beim Umgang mit Stress, Belastungen, neuen Lebenssituationen und Krisen unterstützt.

Unsere Seminarempfehlung

Resilienz Training - So stärken Sie Ihre persönliche Widerstandskraft!

Resilienz ist eine innere Stärke, die Ihnen hilft, in belastenden Situationen psychisch und körperlich widerstandsfähig zu sein und schwierige Herausforderungen mit mentaler Strategie zu bewältigen. Lernen Sie in diesem Seminar, Ihre eigenen Ressourcen noch besser zu nutzen und neue Strategien einzusetzen.


Resilienz Training

Die Resilienz einer Person oder auch Organisation wird dabei nicht als ein fixer Zustand angesehen, den man einmal hat und dann für immer beibehält, sondern als ein lebenslanger Lernprozess. Unsere Resilienz und damit Widerstandskraft kann also von Kontext zu Kontext anders ausfallen und in verschiedenen Phasen des Lebens unterschiedlich stark ausgeprägt sein:

  • Nach einer Krankheit werde ich wieder gesund.
  • Nach einer Trennung und einer Zeit der Trauer werde ich wieder glücklich.
  • Nach stressigen Zeiten finde ich wieder zurück zu Ruhe und Gelassenheit.
  • Nach einer Phase der Überarbeitung kann ich mich wieder erholen.
  • Die Folgen einer wirtschaftlichen Krise können abgefangen werden und das Unternehmen kann sich wieder erholen.

Der Begriff Resilienz (engl. resilience = Elastizität, Spannkraft; lat. resilire = zurückspringen, abprallen) stammt ursprünglich aus der Physik und bezeichnet dort die Fähigkeit eines Werkstoffes, sich verformen zu lassen und hinterher dennoch in die ursprüngliche Form zurückzufinden. Resilienz steht daher allgemein für die Toleranz eines Systems gegenüber Störungen.

Innere und äußere Schutzfaktoren der Resilienz

Die Grundlagenforschung zur Resilienz hat im Rahmen von Langzeitstudien herausgefunden, dass es eine Reihe von Schutzfaktoren gibt, welche die Widerstandsfähigkeit eines Menschen im Umgang mit Krisen erhöhen können. Sie werden in innere und äußere Schutzfaktoren unterteilt. Innere Schutzfaktoren sind in der Person selbst begründet. Sie sind zum Teil genetisch in uns verankert oder sie werden über Erziehung, Lern- und Krisenerfahrungen von der Kindheit bis ins hohe Alter herausgebildet. Zu ihnen gehören z. B.

  • Charakter- bzw. Persönlichkeitseigenschaften,
  • innere Haltungen, Einstellungen, Überzeugungen,
  • Talente, Begabungen, Fertigkeiten,
  • Erfahrungen und Kompetenzen.

Resilienz ist unter anderem abhängig von Eigenschaften, die man dem Charakter oder der Persönlichkeit eines Menschen zuordnet. So hat die Forschung festgestellt, dass Kinder mit einer hohen Resilienz schon früh eine gewisse Hilfsbereitschaft aufweisen, gerne Probleme lösen und in der Lage sind, eine realistische Weltsicht zu entwickeln. Auch schreibt man resilienten Menschen Humor zu und eine hohe Kommunikationsbereitschaft.
Neben den Charaktereigenschaften spielen Haltungen und Einstellungen, die der Mensch im Laufe seines Lebens entwickelt, eine entscheidende Rolle für seine Resilienz. Resiliente Menschen können z. B. eher akzeptieren, dass Krisen, Krankheiten und belastende Ereignisse zum Leben dazugehören. Sie sehen das Glas nicht halb leer, sondern halb voll und sind weniger auf die Fehler, die sie machen, fixiert, sondern können ebenso gut erkennen, was ihnen gut gelingt und worin sie erfolgreich sind.

Die neue, fachübergreifende Resilienzforschung

Inzwischen hat die Forschung festgestellt, dass sich Resilienz nicht nur in unseren Einstellungen und Haltungen widerspiegelt. Die Fähigkeit zu Beweglichkeit, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit finden wir auch in unserem Körper wieder. So zeigen beispielsweise neue Erkenntnisse der Hirnforschung, dass wir uns bis ins hohe Alter noch an neue Gegebenheiten anpassen und uns verändern können. Diese sogenannte Neuroplastizität des Gehirns ist die Grundlage aller Lernprozesse. Sie ermöglicht es dem Organismus, auf Veränderungen in seiner Umgebung zu reagieren und sich diesen anzupassen. Ein solcher Anpassungsprozess kann z. B. notwendig werden, wenn es durch einen Unfall oder einen Infarkt zu nachhaltigen Verletzungen unseres neuronalen Gewebes gekommen ist. Neuroplastizität steht auch für die Erkenntnis, dass sich das Gehirn allein durch Denkprozesse strukturell und funktionell verändern kann.

Elastizität, die so wichtig ist für Resilienz, findet sich beim Menschen nicht nur auf neuronaler Ebene wieder. Auch unser Körper mit seinem Skelett, seinen Muskeln und vor allem seinem Bindegewebe ist ein Wunderwerk an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Hier sprechen Forscher von der sogenannten Geweberesilienz. Nicht umsonst sagen wir: Nur in einem beweglichen Körper steckt auch ein beweglicher Geist. Viele neue Forschungsansätze zeigen, dass die körperliche Haltung des Menschen unmittelbar die Qualität seiner Gedanken beeinflusst und umgekehrt.
Leiden Sie also aufgrund langjähriger Schreibtischarbeit an chronischen Verspannungen und haben Sie eine gebeugte Haltung, hat dies langfristig nicht nur einen Einfluss auf Ihre körperliche Beweglichkeit, sondern auch auf die Anpassungsfähigkeit und Flexibilität Ihres Denkens. Sie sind durch Routinen, alte Denk- und Verhaltensweisen in Ihrer Wahlfreiheit eingeschränkt, sind weniger flexibel und anpassungsfähig. Wichtiges Ziel der Resilienzförderung ist es daher, nicht nur die mentale, sondern auch die körperliche Flexibilität und Beweglichkeit zu fördern.

Die Herausforderung: Lebensentwürfe aktiv hinterfragen und sich immer wieder neu ausrichten

Ob wir eine Belastungssituation als eine Krise einstufen oder nicht, hängt in einem großen Maße davon ab, wie wir die Situation beurteilen, welche Erwartungshaltungen wir an das Leben, an die Arbeit und an die Gesellschaft haben und inwieweit wir dazu bereit sind, uns den neuen Herausforderungen, die auf uns zukommen, zu stellen. Vielen Menschen ist bewusst geworden, dass das einst gepriesene Ideal vom festen Job bis zur Rente schon lange nicht mehr zur Realität gehört. In nur wenigen Jahren hat die digitale Revolution unser Wirtschaftsleben auf den Kopf gestellt. Permanenter Wandel, der produktive Umgang mit kleinen und großen Krisen wird mehr denn je zu unserem Arbeitsalltag gehören. Wir werden gefordert, die Arbeitswelt in der Zukunft 4.0 aktiv mitzugestalten. Im nächsten Teil beschäftigen wir uns mit der Frage, wie Sie mithilfe der acht Resilienzfaktoren lernen können, ihre Widerstandskraft im Umgang mit Belastungen zu stärken und Ihrem Arbeitsalltag wieder gelassener zu begegnen.

Ein Beitrag von Ella Gabriele Amann am 11. Januar 2016

 

7 Resilienz Tipps für mehr Gelassenheit im Arbeitsalltag

Von Tanja Volke-Groh am 25. Oktober 2016

Wer wünscht sich nicht, auch in emotional aufgeladenen Situationen cool und gelassen zu bleiben sowie souverän zu agieren. Das Tolle ist: Wir sind unseren Emotionen nicht automatisch ausgeliefert, auch wenn wir manchmal den Eindruck haben, dass uns alles überrollt und wir immer wieder in altbekannte Muster fallen. Die folgenden Tipps können helfen, einen Weg aus der Emotionsspirale zu finden:

1. Identifizieren Sie Ihre persönlichen „roten Knöpfe”. Was sind Ihre Reizthemen?

Finden Sie heraus, was die auslösenden Situationen sind, die Sie immer wieder auf die Palme bringen und fragen Sie sich auch, was eigentlich unter bzw. hinter dem vordergründigen Gefühl steckt. Welches Bedürfnis, welche Verletzung oder Befürchtung liegt unter der Oberfläche und wühlt Sie eigentlich so sehr auf?

2. Kennen Sie Ihre körperlichen Reaktionen auf stressige Situationen?

Wie reagieren Sie körperlich auf Ärger, auf Konfliktsituationen etc.? Machen Sie sich bewusst, wo der Stress für Sie körperlich spürbar wird. Lernen Sie, bewusst wahrzunehmen und üben Sie sich in Achtsamkeit. „Der Schlüssel der Achtsamkeit liegt in der Qualität der Aufmerksamkeit, die wir jedem Moment entgegenbringen.“ (Jon Kabat-Zinn)

3. Finden Sie heraus, welche subjektiven Bewertungen und Glaubenssätze Ihr Leben bestimmen.

Glaubenssätze sind im Unterbewusstsein abgespeicherte, feste Überzeugungen, die früh im Leben entstanden sind durch Vorbilder, Erziehung etc. und unsere Gefühle, Entscheidungen und täglichen Handlungen entscheidend beeinflussen. Manche sollten im Erwachsenenalter einer kritischen Prüfung unterzogen werden. Prüfen Sie ehrlich, welche Glaubenssätze Sie tatsächlich über sich bestimmen lassen möchten. Finden Sie heraus, was Ihre persönlichen „Antreiber“ sind und lernen Sie, diese in „Erlauber” umzuformulieren.

Unsere Seminarempfehlung:

Keep cool and calm down: Gelassenheitstraining für die Assistenz

In diesem Seminar erfahren Sie, wie Sie in herausfordernden Situationen mit den eigenen Emotionen und denen anderer Beteiligter souverän umgehen und gelassen bleiben. So vermeiden Sie unnötige Eskalationen und können Gespräche zielführend, authentisch und wertschätzend gestalten.


Gelassenheitstraining für die Assistenz

4. Gestalten Sie die Beziehungen in Ihrem beruflichen und privaten Umfeld aktiv, bewusst, authentisch und so, dass Sie sich selbst treu bleiben und sich zugleich auf Ihr Gegenüber optimal einstellen können.

Werden Sie zum „Beziehungsmanager”, stellen Sie sich auf die Persönlichkeit Ihres Gesprächspartners ein, lenken Sie Gespräche in positive und zielführende Bahnen und lernen Sie Feedback zu geben und anzunehmen, denn:

„In Zukunft werden wir nicht mehr nur daran gemessen, wie klug wir sind oder welche fachliche Expertise wir haben, sondern v.a. daran, wie geschickt wir mit uns selbst und anderen umgehen.” (Danial Goleman)

Nutzen Sie die volle Kapazität Ihres Gehirns, emotional und kognitiv. Aus der Gehirnforschung wissen wir, dass wir im Stress nur Teile unseres Gehirns nutzen – so, als würde der Gehirnaufzug nicht bis ganz nach oben fahren in den Neokortex und so im Stammhirn, Mittelhirn und limbischen System hängen bleiben.

5. Lernen Sie Methoden wirksamer Selbstführung – die neue Gelassenheit

„Nichts geschieht, ohne dass ein Traum vorausgeht.” (C. Sandburg)
Nach dem ABC-Modell von Dr. A. Ellis wissen wir, nicht andere lösen Emotionen in uns aus, sondern wir selbst. Die Situationsanalyse von emotionalen Konfliktsituationen in Ihrem Arbeitsalltag ist die Basis, um Strategien zum Umgang mit Reizthemen zu entwickeln. Lernen Sie hilfreiche Mentaltechniken für Ihren Alltag kennen und anwenden.

Achtsamkeit hilft, die Herausforderungen der Arbeitswelt nachhaltig zu bewältigen und ein gesünderes und glücklicheres Leben zu führen. Achtsamkeitsübungen sorgen so für einen geringeren Krankheitsstand, eine innovationsfreundliche Firmenkultur, ein besseres Betriebsklima und eine höhere Zufriedenheit mit sich und Ihrer Arbeit.

6. Stärken Sie Ihre Resilienz: Optimismus als Grundhaltung

Wir wissen mittlerweile, dass Resilienzförderung nicht angeboren ist, sondern dass sie im Laufes des Lebens erlernt wird. Das heißt im Umkehrschluss, dass wir unsere Resilienz stärken können.
Zentrale Resilienzfaktoren sind z.B. die Selbstwirksamkeit, also die Überzeugung, dass wir Einfluss auf unser Leben haben. Resilienz bedeutet auch, raus aus der Opferhaltung und Verantwortung zu übernehmen für das eigene Leben und Handeln, aufgrund des Selbstvertrauens, genug Stärke für die Lösung in sich zu haben. Wichtig ist auch, um Hilfe bitten zu können, denn soziale Kontakte, emotionale Bindungen und stabile Beziehungen sind ein wichtiger Grundpfeiler gelebter Resilienz.

7. Und zu guter Letzt: Trainieren Sie Ihre Stimme.

Unsere Stimme kommt aus dem Zentrum unseres Körpers und deshalb können wir sie nur schlecht verstellen. Es heißt, dass ein Mensch, der an seiner Stimme arbeitet, am Kern seiner Persönlichkeit arbeitet. Und: Stimme schafft Stimmung – im Seminar live zu erleben.

Ein Beitrag von Tanja Volke-Groh am 25. Oktober 2016

 

Wenn es um Resilienz geht ist es nicht generell nötig, dass der Mensch im Mittelpunkt der Betrachtung steht. Vielmehr können Facetten aus dem Thema Resilienz auf verschiedenste Bereiche wie bspw. Projektmanagement übertragen und gewisse Dinge beleuchtet werden. Der folgende Fachbeitrag von Frau Borgert dreht sich um das Thema Resilienz im Projektmanagement:

6 Schritte für mehr Resilienz im Projekt

Von Stephanie Borgert am 5. Februar 2015

Wir kennen sie alle, die Berichte über sogenannte „Steh-Auf-Menschen“.

Menschen, die nach schweren Schicksalsschlägen und Krisen wieder aufgestanden und im besten Fall gestärkt daraus hervorgegangen sind. Diese Menschen bezeichnen wir als widerstandsfähig, krisenfest, „hart im Nehmen“ – als resilient.

Wie viele Berichte über komplexe Projekte kennen Sie, die sich durch Krisenfestigkeit und Steh-Auf-Mentalität auszeichnen? Keinen? Genau, wir lesen und hören von Großprojekten in der Öffentlichkeit meist nur, wenn sie ins Schlingern geraten: Wenn Stuttgart 21 um zig Millionen Euro teurer wird, die Gesundheitskarte massive Sicherheitslücken aufweist oder der neue Flughafen Berlin-Brandenburg wieder nicht eröffnet wird. Das, was dann stattfindet folgt häufig einem bestimmten Schema: Es wird nach den kausalen Zusammenhängen gesucht, Schuldige gefunden, Fehlerquellen benannt, neue Termine gesetzt.

Wir haben so lange und gut gelernt in Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen zu denken und über Analyse bestehende Probleme anzugehen, dass uns das Umstellen auf „Wechselwirkungs-Denken“ schwer fällt. Ansätze, die allein auf Robustheit und Fehlervermeidung setzen, greifen zu kurz. In einem komplexen Kontext herrscht immer ein Grad an Ungewissheit, herrschen Unwägbarkeiten und Unvorhergesehenes. Es braucht daher eher einen Blick für das, was Projektorganisationen resilienter macht. Resilienz bedeutet hier die Fähigkeit Fehler und Turbulenzen früh zu erkennen, schnell mögliche Lösungsstrategien zu identifizieren und damit zeitnah aus einer krisenhaften Situation heraus zu kommen.

Eine resiliente Projektorganisation passt sich adaptiv an sich ändernde Gegebenheiten an. Dass wir keine Veröffentlichungen zu den Erfolgsgeschichten resilienter Projekte hören, bedeutet nicht automatisch, dass es sie nicht gibt. Sie existieren sehr wohl und wir sollten aus und von ihnen lernen, um auch in dynamischen komplexen Projekten die Faktoren zu stärken, die ein Projekt krisenfester und adaptiver machen. Genau diese Faktoren sind im Modell Hoch Adaptive Projekte (H.A.P.) beschrieben und werden im Folgenden näher erläutert.
Die Hauptdimensionen, in denen die Adaptivität eines Projektes beeinflussbar ist, sind: Ausrichtung, Umfeld, Sensitivität, Gestaltung, Teaming und Wissen. Jede Dimension besteht aus verschiedenen Facetten, von denen einige exemplarisch hier vorgestellt werden. Jedes Projekt hat seine Ausprägungen in den Dimensionen und Facetten, die Frage ist nur, wie sehr. Es gibt keine nicht-resilienten oder unadaptiven Projekte, es gibt nur mehr oder weniger resiliente. Da Resilienz keine Eigenschaft ist, die einmalig erworben wird oder verloren geht, kann zu jedem Zeitpunkt an den Stellschrauben gedreht werden. Resilienz ist ein Prozess!

Dazu müssen die folgenden sechs Dimensionen eines Projektes betrachtet und bearbeitet werden:

Projektausrichtung

Adaptive Projekte verwenden ausreichend Zeit darauf, Szenarien der Zukunft zu entwerfen und sie zu antizipieren. Sie stellen sich immer wieder Fragen wie beispielsweise „Welche Problemstellungen können sich aus der aktuellen Entscheidung ergeben?“ oder auch „Welchen Einfluss hat unser Denken und Handeln auf andere Beteiligte?“. Ergänzend zu den Fragestellungen aus dem klassischen Risikomanagement geht es bei der Vorausschau darum, möglichst viele Handlungsoptionen (mindestens im Kopf) durchzuspielen, um im Fall der Fälle vorbereitet zu sein. Weitere Facetten dieser Dimension sind Zielklarheit, Zukunft gestalten, Optimismus, Vision, Zielorientierung.

Projektumfeld

„Einer für alle, alle für einen.“ In einem System, wie ein komplexes Projekt es darstellt, ist jeder Einzelne verantwortlich für die Qualität der Zusammenarbeit. Damit dieses systemische Grundprinzip seine Wirkung entfalten kann, braucht es Vertrauen als Basis. Die gilt es seitens der Verantwortlichen durch Kommunikation und Transparenz aufzubauen. In adaptiven Projekten geht Kooperation vor Konkurrenz. Bei einem dynamischen komplexen Umfeld ist Kooperation der Mechanismus, der die Vernetzung der Beteiligten unterstützt und damit den Informationsfluss, den Austausch und die Zusammenarbeit sichert Denn es gilt für Individuen und Projekte gleichermaßen: wenn es turbulent wird, brauchen sie tragfähige Beziehungen, um die Krise gut zu überstehen. Weitere Facetten dieser Dimension sind Beziehungen gestalten, Verantwortung aller, Feedback, Sozialkapital.

Projektsensitivität

Keine Krise entsteht ohne Ankündigung. Im Rückblick sehen wir sie häufig erstmals deutlich – schwache Signale. Erste Gerüchte, der Flurfunk, ein Bauchgefühl – all das sind oft erste Indikatoren für „es kommt etwas auf uns zu“. Aber wird es beachtet? Oftmals zu selten. Dabei bedarf es ja nicht der akribischen Recherche zu jedem Gerücht, das Ihre Tür passiert. Ausreichend ist ein kurzes Innehalten im Team, ein Entscheiden, ob diesem Signal nachgegangen wird oder nicht. Und stecken wir dann drin in der Projektkrise, ist Akzeptanz der Schlüssel zur schnellen Bewältigung. Weitere Facetten dieser Dimension sind Transparenz, Wahrnehmung, Skepsis, Vereinfachung, Details.

Projektgestaltung

Welche Fehler und Entscheidungskultur wird im Projekt gelebt? Fast Fehler geben Hinweise auf mögliche Schwachstellen im System, hier gilt es hinzuschauen. High-Reliability-Organisationen (HRO) wie Feuerwehren, Flugzeugträger oder Notaufnahmen beispielsweise wissen das Fehler in diesen Organisationen leicht fatale Folgen haben können, weshalb die Mitarbeiter ihre ganz besondere Aufmerksamkeit darauf legen. Fast-Fehler werden hier nicht als Bestätigung des Erfolges genutzt, sondern als Hinweis darauf, dass im System etwas „unrund“ laufen könnte. Fehler werden als Lernfeld genutzt, die Quellen und die Aussagen über das System betrachtet. Weitere Facetten dieser Dimension sind Effizienz, Modularität, Situation vs. Prozess, Lösungsorientierung, Selbstregulation, Entscheidungsfähigkeit, Redundanz, Flexibilität.

Projektteaming

Positivität ist ein Erfolgsfaktor für adaptive Projekte, die Hochleistung bringen. Das lässt sich an der Sprache erkennen. Der Wissenschaftler Marcial Losada hat festgestellt, dass High-Performance-Teams in einem 6:1 Verhältnis von „positiver Sprache“ zu „negativer Sprache“ miteinander kommunizieren. Das richtige Verhältnis also von unterstützenden zu kritischen Beiträgen gewährleistet die Balance zwischen Abheben und Am-Boden-bleiben und damit auch die Resilienz. Das erfolgreiche Umsetzen von Diversität im Projektmanagement gelingt nur, wenn die Basis der Zusammenarbeit Vertrauen und Wertschätzung sind. Dann findet Diversität einen Spiegel in der von den Menschen benutzten Sprache. Weitere Facetten dieser Dimension sind Zugehörigkeit, Vertrauen, geteilte Werte, Achtsamkeit, Verschiedene Meinungen.

Projektwissen

Komplexe Systeme sind intransparent. Selbst erfahrene Projektmanager können das Gesamtsystem kognitiv nicht mehr erfassen. Sie brauchen Erfahrungswissen und Intuition, um Entscheidungen zu treffen. Sich auf die Intuition eines Einzelnen zu verlassen, kann schnell zu Fehlentscheidungen führen. Die kollektive Intuition dagegen ist ein mächtiges Instrument, um in komplexen Kontexten Entscheidungen treffen und damit das Projekt managen zu können. Weitere Facetten dieser Dimension sind Lernen, Innovation, Erfahrungswissen, Freiraum, Wachstum, Fantasie.
Jedes Projekt bewegt sich auf einer Achse innerhalb jeder Dimension, eine Aussage über die „Güte“ der Platzierung und die Möglichkeiten zur Steigerung der Resilienz lassen sich nur im jeweiligen Projektkontext machen. Die Arbeit, dies zu ermitteln lohnt jedoch und hilft, mit den richtigen Maßnahmen Ihr aktuelles und zukünftige Projekte noch adaptiver zu gestalten.

Mehr zum Thema Resilienz finden Sie in unserem Videobeitrag“ von unserer Resilenztrainerin Stefanie Borgert.

Unsere Empfehlungen:
Resilienz im Projektmanagement
Sie lernen mit dem H.A.P.-Modell (Hoch Adaptives Projekt) ein wesentliches Instrument zur Steigerung der Widerstandsfähigkeit von komplexen Projekten kennen.
Resilienz Training im Projektmanagement

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Projektmanagement, Prozessmanagement und Change Management.

Ein Beitrag von Stephanie Borgert am 5. Februar 2015

 

Resilienz Training – Eine FOCUS-Redakteurin im Interview

Von Beate Strobel am 3. November 2016

FOCUS-Redakteurin Beate Strobel hat den Selbstversuch gemacht – und das 2-tägige Resilienz Training der Haufe Akademie besucht. Über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse dazu berichtete sie im FOCUS SPEZIAL, Mai/Juni 2016. Darüber hinaus nahm sie nach dem Training an vier Coaching-Sessions teil, um das Gelernte weiter zu vertiefen und zu verankern. Uns interessiert natürlich: wieviel hat das Ganze gebracht? Hierzu stand sie uns Rede und Antwort.

Sie haben das Resilienztraining und das Coaching als Journalistin besucht – und damit ja eine andere Rolle als die andere Teilnehmer. Warum/wo sind gerade in Ihrem Job Resilienz gefragt?

Beate Strobel: Wie in vielen anderen Branchen auch, gibt es im Redakteursalltag aktuell eine große Arbeitsverdichtung: Immer weniger Menschen müssen immer mehr Arbeit bewältigen. Dazu kommt, dass wir meist unter Zeitdruck agieren: Immer gibt es irgendwo eine Deadline, die eingehalten werden muss. Ich habe einen Vollzeitjob, in dem ich auch viel unterwegs bin – und gleichzeitig drei Kinder, die auch etwas von ihrer Mutter haben wollen. Das alles unter einen Hut zu bekommen, erfordert tatsächlich eine resiliente Psyche.

Das Telefoncoaching soll helfen, das Gelernte besser in den Alltag umzusetzen, neue Routinen zu festigen und stabil(er) zu verankern. Wie ist das bei Ihnen – ist diese Wirkung eingetreten?

Beate Strobel: Nach dem Kurs war ich erst einmal ganz euphorisiert, wollte all das Gelernte sofort umsetzen. An welchen Stellen und bei welchen Methoden es dann hakt, kann man erst in der Praxis feststellen. Und schnell kommen neue Fragen auf, an die man im Kurs nicht gedacht hatte. Da kam das Telefoncoaching gerade recht.

Unsere Seminarempfehlung

Resilienz Training - So stärken Sie Ihre persönliche Widerstandskraft!

Resilienz ist eine innere Stärke, die Ihnen hilft, in belastenden Situationen psychisch und körperlich widerstandsfähig zu sein und schwierige Herausforderungen mit mentaler Strategie zu bewältigen. Lernen Sie in diesem Seminar, Ihre eigenen Ressourcen noch besser zu nutzen und neue Strategien einzusetzen.


Resilienz Training

Stand für Sie vor bzw. zum ersten Telefonat fest, was Sie via Coaching vertieft bearbeiten wollen? Oder kamen im Rahmen der 4 Stunden Themen auf, an die Sie vorher so gar nicht gedacht hatten?

Beate Strobel: Tatsächlich hatte sich kurz vor dem ersten Termin – die Trainerin war gerade in der Nähe von München, so dass wir uns persönlich treffen konnten – eine Situation ergeben, in der ich so gar nicht resilient reagiert hatte. Die konnte ich dann gleich mit ihr besprechen – eine große Hilfe!

Gab es dabei überraschende Momente – entweder während der einzelnen Telefonate, während des Verlaufs oder auch über die gesamte Zeit hinweg betrachtet?

Beate Strobel: Im Coaching konnten wir ganz individuell auf mich und meine Probleme eingehen – es war eine sehr persönliche Situation, ganz anders als im Gruppentraining. Und das hat mich tatsächlich noch mal ganz neu zum Nachdenken und damit auch weiter gebracht.

Wie war das bei Ihnen: sind Sie an einem Thema dran geblieben oder haben Sie in den Telefonaten jeweils ganz unterschiedliche Themen beackert?

Beate Strobel: Das wird sich noch herausstellen – bislang sind noch nicht alle Termine erfolgt. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass sich jedes Mal neue Themen ergeben werden.

Welchen Benefit/welche Erfahrung hätten Sie verpasst, wenn Sie das Telefoncoaching nicht absolviert hätten?

Beate Strobel: Ich wäre quasi auf Level 1 stehengeblieben, was auch schon schön ist – aber in den individuellen Gesprächen kann man noch deutlich besser nachjustieren und mehr erreichen.

Würden Sie das Telefoncoaching weiterempfehlen? Wenn ja bzw. nein, warum bzw. warum nicht?

Beate Strobel: Ich würde es unbedingt weiterempfehlen. Zum einen, weil man so das Kursthema nicht einfach geistig ad acta legt – was ja durchaus verführerisch ist –, sondern sich immer wieder neu damit beschäftigt. Und zum anderen ist es eine sehr individuelle Ergänzung zum Gruppentraining. Und vielleicht kommt da auch noch Manches zur Sprache, was zu privat gewesen wäre für die Kurssituation.

Abschließend betrachtet – was hat das Telefoncoaching konkret gebracht?

Beate Strobel: Bei mir hat es das Thema weitergetrieben. Ich habe zusätzliche Gedankenanstöße von der Trainerin erhalten, konnte im Alltag entstandene Fragen klären. Es war ein bisschen wie beim Kauf eines Anzugs: Im Gruppentraining wurde die Kollektion vorgestellt und man stellte sich seine Auswahl zusammen. Beim Telefon-Coaching wird dann noch verändert und umgenäht, bis das gute Stück tatsächlich passt.

Ein Beitrag von Beate Strobel am 3. November 2016

Teilen Sie den Beitrag auf:

Über die Autoren

berät Unternehmen zu den Themen Change, Komplexitäts-Management, Self-Innovation und Personalentwicklung mit SIZE Prozess® Resilienz. Sie ist Entwicklerin des integrativen Resilienztrainings nach dem Bambus-Prinzip® und Autorin der Haufe Taschenguides „Resilienz” und „Selbstcoaching”.

Diplom Psychologin, systemischer Business Coach, Insights MDI® Beraterin und zertifiziert im Deutschen Verband für Coaching und Training e.V. (dvct). Tanja Volke-Groh arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich als Trainerin, Beraterin und Coach im Bereich Persönlichkeitsentwicklung, sozialen Kompetenzen und Führung.

ist Diplom-Informatikerin, Trainerin und Business Coach. Seit 2007 ist sie selbstständig als Business Coach und Management-Trainer tätig. Außerdem bietet sie Beratung und Coaching komplexer (Projekt-)Organisationen. Stephanie Borgert verfügt über langjährige Erfahrung im Krisenmanagement komplexer Organisationen ist Rednerin, Buchautorin und Entwicklerin des H.A.P.-Modells.

Beate Strobel war stellvertretende Ressortleitung des Ressorts „Reportage” beim FOCUS Magazin und ist seit September Chefredakteurin beim Magazin „Echt Bayern“. Sie besuchte im Januar 2016 das Haufe Akademie-Seminar „Resilienztraining – So stärken Sie Ihre persönliche Widerstandskraft!” und berichtete darüber im FOCUS SPEZIAL, Mai/Juni 2016.