Erfolgreich mit indischen Businesspartnern

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Herr Kramer arbeitet als Software-Ingenieur in einem mittelständischen Unternehmen. Im Zuge der wachsenden Globalisierung sind auch in seiner Abteilung Offshoring Projekte in Indien entstanden, die ihn vor neue Herausforderungen stellen. Herr Kramer fragt seinen indischen Kollegen Arun, ob sein Team in Bangalore in der Lage sei, eine bestimmte Software zu einem festgelegten Termin zu entwickeln. „No problem”, antwortet Arun „we will deliver on time”. Herr Kramer ist begeistert von Aruns spontaner Zusage, denn die Aufgabe ist sehr komplex und arbeitsintensiv. Vier Wochen hört Herr Kramer nichts von Arun und seinem Team und geht davon aus, dass alles läuft. Eine Woche vor Ablauf der Deadline fragt Herr Kramer nach, wie der Stand der Dinge ist. Zu seiner Überraschung erlebt er einen sehr verunsicherten Arun, der ihm Fragen stellt, die ihn daran zweifeln lassen, dass die indischen Kollegen die Situation unter Kontrolle haben.

Dieses Beispiel zeigt, dass die Zusammenarbeit mit indischen Kollegen neben Themen der Zeitverschiebung, Sprachbarriere und der virtuellen Zusammenarbeit auch kulturelle Aspekte zum Vorschein bringt, die häufig am Anfang einer Kooperation unterschätzt werden.

Folgende Strategien und Denkmuster helfen, die Zusammenarbeit mit indischen Geschäftspartnern effektiver und nachhaltiger zu gestalten.

1. Die eigene kulturelle Prägung reflektieren

In der Zusammenarbeit mit anderen Kulturen ist es zunächst wichtig, seine eigene Kultur zu reflektieren, um zu erkennen, womit andere Kulturen Schwierigkeiten haben könnten. Häufig wirkt der sehr direkte und sachliche Kommunikationsstil der Deutschen auf andere Kulturen unhöflich oder sogar verletzend. Wir denken meistens, dass unsere Verhaltensweise ‚normal‘ ist, aber normal gibt es im interkulturellen Kontext nicht. Was ‚normales‘ Verhalten für einen deutschen Mitarbeiter ist, kann vollkommen unnormal und exotisch in einem indischen Arbeitsumfeld sein.

2. Interesse für die andere Kultur entwickeln und sich Wissen

über die Fremdkultur aneignen Die deutsche und die indische Kultur sind in vielen Dingen konträr zueinander. Das geht weit über die sichtbaren Aspekte wie Essen, Kleidung oder Gestik und Mimik hinaus. Vor allem, wenn es um Denkweisen, Mentalität und Werte geht, werden die Unterschiede oft erst auf den zweiten Blick deutlich, was jedoch großes Konfliktpotenzial birgt. So baut man in Indien beispielsweise Vertrauen im beruflichen Kontext häufig über die Beziehungsebene auf, wohingegen in Deutschland der Fokus auf der Sache liegt und der Beziehungsaufbau eher ins Private verlagert wird. Auch das Kundenverständnis ist ein anderes in Indien, wo ein ‚nein‘ einem Kunden gegenüber als unhöflich und unverschämt aufgenommen werden kann. Auch Themen wie Hierarchie, Zeitverständnis und Konfliktverhalten sind sehr stark kulturell geprägt.

3. Perspektiven wechseln und durch die kulturelle Brille des anderen blicken

Sich in andere hineinzuversetzen und zu versuchen, die andere Sichtweise einzunehmen, ist ein erster wichtiger Schritt. Jedes Handeln macht Sinn aus dem Blickwinkel des Handelnden und in der Regel verfolgt jeder Handelnde eine positive Absicht. Rück blickend auf das Beispiel am Anfang könnte die Hypothese aufgestellt werden, dass Arun, in seiner Rolle als Dienstleister, es als unhöflich erachtet hätte, Herrn Kramer seine Bedenken am Anfang des Projekts mitzuteilen. Zudem hat Herr Kramer keinen Zwischenstand erfragt, was in einem indischen Kontext auch darauf hinweisen könnte, dass das Projekt nicht mehr wichtig ist.

In der Zusammenarbeit mit Indern gibt es aufgrund der Komplexität dieser Kultur und der starken Kontextabhängigkeit nicht den einen Königsweg. Es gibt keine einfache Do`s and Don’ts-Liste. Erfolgreich ist, wer mit einer Mischung aus kulturellem Wissen der eigenen und fremden Kultur sowie mit Selbstreflexion und Offenheit dem indischen Geschäftspartner begegnet und mit ihm gemeinsam eine Teamkultur aufbaut.

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Über den Autor

Master in Politologie, Soziologie und Anglistik, Trainerin, Beraterin und Coach.

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