Bettina Stackelberg

Bettina Stackelberg

Als Trainerin der Haufe Akademie mit den Schwerpunkten Selbstbewusstsein, Wege aus dem Perfektionismus, angstfrei arbeiten und Work-Life-Balance liegt es ihr besonders am Herzen, Frauen dabei zu unterstützen, nicht ständig an sich herumzudoktern. Sie möchte dazu beitragen, dass Frauen so entspannt wie möglich und so taktisch wie nötig, doch vor allen Dingen bei sich selbst bleibend, erfolgreich sein können.

Alles richtig gemacht? Warum diese Frage uns Frauen egal werden muss!

„Aber, wie mache ich es wirklich RICHTIG?“, das fragen sich viele. Der Wunsch von (uns) Frauen, mit dem richtigen Verhalten, der richtigen Kleidung, dem richtigen Weg zur perfekten Karriere zu finden, ist nicht nur groß, er ist riesig! Doch geht mit dieser Haltung nicht oft einher, dass wir versuchen, unsere Ecken, Kanten und Macken und damit wesentliche Teile unserer Persönlichkeit glattzubügeln? Und genau das scheint mir richtig, richtig falsch.

Warum ist es uns so wichtig, den richtigen Weg zu finden?

Wenn ich mit Frauen, ob privat oder im Job, über die Themen Karriere, Beruf und Berufung spreche, ist es immer diese eine Frage, um die sich die Gespräche drehen: Was ist der richtige Weg?
Zu dieser Frage habe ich meine Erfahrungswerte, Ratschläge und Ermutigungen gesammelt und hoffe, dass sie euch eine gute Inspiration bieten. Vielleicht mögt ihr den Text ja auch mit Frauen in eurem Leben teilen?

Dazu möchte ich euch von Marie erzählen. Marie steht für alle Frauen, die sich immer besonders anstrengen.

Perspektiven_Karriere_Frau sein, erfolgreich seinDa Marie ihren Berufsweg gut durchdacht und strategisch angehen möchte, unternimmt sie so einiges: Sie besorgt sich Ratgeberliteratur, liest viele Artikel über weibliche Karrieren, redet mit Freundinnen und sucht nach Tipps von Experten. Da kommt so einiges zusammen. In der Typberatung riet man ihr, für den weiteren Karriereweg die Garderobe hauptsächlich dezent zu wählen: Nichts Auffälliges. So wie die Herren, die tragen ja auch gedeckte Farben.
Sie las viele Bücher über die Machtspiele von Männern, über Manipulation, Dominanz, Durchsetzungsstärke (die mit den Ellenbogen!) und die Erfolge von Alphatieren.
Und sie unterhielt sich mit vielen erfolgreichen Menschen – und bekam viele Ratschläge für den richtigen Weg:

  • Sei strategisch und klug.
  • Zeig wenig Emotionen.
  • Gewöhn Dir eine tiefere Stimme an, das strahlt Souveränität und Autorität aus.
  • Schule Deine Rhetorik.
  • Schau Dir von den Männern ab, wie sie in Diskussionen selbstbewusst andere unterbrechen, um ihr Ding durchzuziehen.
  • Zeige keine Unsicherheit und Schwäche, dann bist Du weg vom Fenster.
  • Geh zum Global Player. Oder doch besser ins Ausland.
  • Spezialisiere Dich. Ach nein, sei besser Generalistin, dann bist Du überall einsetzbar.
  • Rede mit vielen Menschen.
  • Oder besser: Mach Dich rar, das zeugt von Wichtigkeit.

Tu dies. Lasse das. Entwickle jenes. Leg wieder anderes ganz ab, das schadet der Karriere….
Herrje, je länger sich Marie mit ihrer Karriereplanung beschäftigt, desto mehr schwirrt ihr der Kopf. Sie wird immer unsicherer, verwirrter und hat immer schlechtere Laune. Warum zum Teufel ist das so schwierig mit der Karriere? Jeder sagt was anderes, es gibt 1001 gute Tipps und noch mehr Erfahrungs- und Best-Practise-Geschichten. Marie selbst hat gefühlt viel weniger Erfahrung als alle anderen und soll jetzt den einen richtigen Weg finden? Wie soll das nur funktionieren!?

Konzentriere dich auf dich selbst – zumindest einen Moment lang

Perspektiven_Karriere_Frau sein, erfolgreich seinLiebe Marie, zuerst einmal: Mit Dir ist alles in Ordnung! Du reagierst sehr gesund, kein Wunder, dass Dir schier der Kopf platzt und Du immer unsicherer wirst. Also: Stopp! Schmeiß die Bücher weg (oder stell sie zumindest erstmal außer Sichtweite), klapp das Notebook zu und geh erstmal spazieren. Atme durch, komm zur Ruhe, komm zu Dir zurück!
Weil dort nämlich der beste aller Ratgeber sitzt: Deine Intuition! Niemand kennt dich so gut und so lang wie sie, niemand ist weiser und treffsicherer.

Dein Bauchgefühl weiß, wie Du am besten Karriere machen kannst. Hör hin!

Es gibt kein Rezept für die perfekte „weibliche Karriere“! Es gibt genauso viele Wege, wie es Frauen gibt, die Karriere machen. Das, was für einige Frauen gilt, passt noch lange nicht für andere. Warum vergleichen gerade wir Frauen uns immerzu? Warum orientieren wir uns ständig an anderen?
Der Philosoph Kierkegaard sagte schon: „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“ Denn es findet sich immer jemand, der besser, erfolgreicher, hübscher, klüger, genialer und toller ist als man selbst! Und das frustriert, macht uns ängstlicher und unsicherer. Und wir optimieren uns noch mehr, verändern und passen uns an, richten uns nach den vermeintlichen Experten – und tragen dunkelblaue Kostüme.

Mach doch was du willst!

Perspektiven_Karriere_Frau sein, erfolgreich seinLiebe Marie: Wenn Du Dich im dunkelblauem Kostüm wohl fühlst, dann trage es. Wenn Du aber lieber tomatenrote lange Röcke, großblumige Kleider oder auch 10cm High-Heels tragen willst – warum nicht? Tu es! Trage das, was Dir gefällt und worin Du Dich wohl fühlst. Wenn Du gerne weiblich bist: Zeige es. Schau Dir erfolgreiche Frauen wie Michelle Obama oder Claudia Roth von den Grünen an – die sind ziemlich bunt. Es geht ja nicht darum, mit kurzem Rock oder tiefem Ausschnitt punkten zu wollen.
Professionell ist seriös, ohne Frage. Aber wenn wir uns als Frau wohl fühlen, warum sollten wir das nicht zeigen, warum sollten wir damit nicht auch zum Erfolg beitragen können – gute Leistung immer vorausgesetzt? Weiblichkeit nicht anstelle von Leistung, sondern als ein wichtiger Faktor, der zu mir gehört und den ich in die Waagschale werfen kann.

Introvertierte Frauen aufgepasst!

Wenn Du eher introvertiert bist, musst Du Dir nicht auf Teufel komm raus die messerscharfe Rhetorik antrainieren oder alle Bühnen dieser Welt mit lautem Tschakka-Ruf stürmen. Du kannst auch achtsam und mit leisen Tönen Karriere machen. Es gibt viele Unternehmen, Teams und Menschen, die sich nach ruhigeren Tönen sehnen. Du bist jemand, der außergewöhnlich gut zuhören kann? Dann ist DAS Deine Stärke, mit der Du punkten und die Du ausbauen kannst.

Machtspiele: Challenge accepted? Oder einfach nicht dein Ding?

Perspektiven_Karriere_Frau sein, erfolgreich seinDie Machtspiele der anderen, Männer wie Frauen, solltest Du kennen und genau studieren. Keinesfalls aber hundertprozentig kopieren, weil Du meinst, nur so geht’s zum Erfolg. Wenn Du die Spielregeln kennst, kannst Du von Situation zu Situation entscheiden, ob Du mitspielen magst oder nicht. Manchmal kann Spielen ja durchaus Spaß machen, Leichtigkeit ins Business bringen mit einem Augenzwinkern.
Wenn Du dazu aber keine Lust hast, tu es nicht! Dann findest Du andere, bessere Wege. Indem Du zum Beispiel deutlich machst, dass Du diese Spielchen zwar (er-)kennst, aber nicht mitspielen möchtest und andere Wege gehst. Spielen macht nur Spaß, wenn Du freiwillig und bewusst spielst, wenn es Dir mit Leichtigkeit von der Hand geht.

Die Sache mit den Gefühlen… eine Zweiklassen-Gesellschaft?

Zuletzt etwas ganz besonders Wichtiges: Das mit „Keine Emotionen im Business zeigen“ ist – entschuldige den drastischen Ausdruck – absoluter Schwachsinn! Schwachsinn und zudem menschenverachtend. Wir leben in einer Gesellschaft mit zwei Klassen von Gefühlen: Gefühle wie Leidenschaft, Begeisterung, Enthusiasmus, Ausgelassenheit oder Glück sind gesellschaftsfähig und hip. Gefühle wie Wut, Angst, Trauer oder Zweifel sind bäh. Erfolgreiche Menschen sind nie wütend, werden nicht laut, weinen nie, haben keine Angst und kennen weder Zweifel noch Trauer?
Ganz bestimmt nicht. Und wenn Du emotional bist, bist Du emotional. Punkt! Und zwar in jeder Hinsicht! Dann kannst Du Dich wie ein Kind freuen über einen Erfolg. Du stürzt Dich voller Leidenschaft und Begeisterung in neue Aufgaben. Du bist aber auch maßlos wütend zum Beispiel über Ungerechtigkeit und verdrückst auch einmal ein paar Tränchen aus Wut oder Trauer.

Emotionen weg-schminken?

Perspektiven_Karriere_Frau sein, erfolgreich seinWenn ein (männlicher) Chef damit nicht umgehen kann und sich hilflos in ein „Meine Güte, wie unprofessionell, immer diese emotionalen Weiber“ flüchtet – dann hat er ein Problem und nicht Du. Dann solltest Du auch nicht peinlich berührt aufs Firmenklo flüchten, Schminktäschchen unter Arm, damit Du hinterher wieder alle Spuren beseitigen kannst. Sondern zu deinen Emotionen stehen, denn sie sind es auch, die deinen Erfolg mit viel Leidenschaft und Enthusiasmus vorantreiben.

Professionalität: Schön und gut, aber man kann es auch übertreiben!

Professionalität bedeutet nicht, keine Emotionen zu zeigen. Das macht das Geschäftsleben nur noch kälter und unmenschlicher. Alle Emotionen machen uns Menschen aus, alle haben ihren Platz und wollen gewertschätzt werden und nicht klassifiziert, bewertet oder rausgeschmissen.

Liebe Marie – und liebe alle: Sei, wie Du bist.

Perspektiven_Karriere_Frau sein, erfolgreich seinSei so, wie es Dir guttut, worauf Du Lust hast, zeige das, was Dich ausmacht, wirf das in die Waagschale, was Deine ureigene Stärke ist! Vergleich Dich nicht ständig, verbieg Dich nicht. Am Ende des Tages musst Du in den Spiegel schauen können. Sei bunt, trage roten Nagellack und Highheels, wenn Dir danach ist. Sei eckig und kantig oder weiblich und weich, sei laut oder leise, höre zu oder rede lieber, spiele oder arbeite oder arbeite spielend.

Sei Du selbst, andere gibt’s schon so viel!

Ein Zitat, das mich immer sehr inspirierte stammt von Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin von Facebook. Sie sagte 2011 zu Absolventinnen des Barnard Colleges in ihrer Abschlussrede und genau das möchte ich auch meinen Leserinnen und Coachees, sowie Seminarteilnehmerinnen sagen:

Erinnert Euch immer daran, dass Ihr fantastisch seid!
Lasst nicht zu, dass Eure Sehnsüchte von Euren Ängsten besiegt werden. Lasst die Hindernisse, denen Ihr im Berufsleben begegnet – und es wird sie geben – äußerliche Hindernisse sein, nicht innerliche.
Das Glück begünstigt die Mutigen. Ihr werdet nie erfahren, wozu Ihr fähig seid, wenn Ihr es nie versucht. Fangt damit an, nach den Sternen zu greifen.
Geht nach Hause und fragt Euch vor dem Einschlafen: Was würde ich tun, wenn ich keine Angst hätte?
Und dann tut es!“ – Sheryl Sandberg

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Wir freuen uns über Austausch und Ihr Feedback. Hat Ihnen eine Idee oder eine Haltung in Ihrer Karriere besonders geholfen? Erzählen Sie es uns gerne hier in den Kommentaren – so können auch andere (Frauen) von Ihnen lernen oder Sie unterstützen!