Learning Experience Plattformen

Veröffentlicht am
7.10.2019
von
Björn Kohnen

Mit Learning Experience Plattformen zum selbstgesteuerten Lernen

Wie kann man Mitarbeitern die Möglichkeit geben, selbstständig und selbstgesteuert am Arbeitsplatz zu lernen, ihnen Zugang zu den bevorzugten Lernformaten und Quellen geben und gleichzeitig das Wissen an einem Platz bündeln? Die Antwort heißt: Etablieren Sie eine Learning Experience Plattform, kurz LXP. Eine LXP kann darüber hinaus die Zusammenarbeit und das soziale Lernen fördern.

Idealerweise sind alle Lerninhalte in Unternehmen über einen Single Entry Point zugänglich. Diese Aufgabe übernahm bislang das Learning Management System (LMS). Es ermöglicht, kurz gesagt, alle Lerninhalte von einer zentralen Stelle aus einzuspeisen und zu verwalten. Dabei handelt es sich in erster Linie um E-Learning-Kurse, die einen konkreten Bedarf erfüllen, zum Beispiel gesetzliche Vorgaben bei Themen wie Compliance oder Datenschutz zu schulen. Über das LMS werden die E-Learning-Kurse für die Lernenden freigeschaltet und der Nachweis erbracht, dass und wann sie diese absolviert haben. Ist der Nachweis des Lernens erst erbracht, hat das LMS für den Lernenden seinen Zweck zunächst erfüllt und wird nicht wieder genutzt – bis zur nächsten verpflichtenden Schulung.

LXP: Individuelle Aufgaben und persönliches Profil geben Struktur vor

Mittlerweile wissen wir, dass diese Art zu Lernen im Unternehmen nicht ausreicht, weder aus Sicht des Unternehmens, das Fachkräfte braucht, die immer auf dem neuesten Stand sind. Noch aus Sicht der Mitarbeitenden, die am Arbeitsplatz anspruchsvolle Aufgaben bewältigen müssen und dafür ihre Fähigkeiten erweitern wollen. Wie also kann das Unternehmen diesen Mitarbeitenden Lernen erleichtern, mit intern überschaubarem Aufwand und ohne ganz die Kontrolle aufzugeben? Mit einer Learning Experience Plattform. Die Lernenden erhalten damit eine Art persönliches Lerncockpit, können zum Beispiel selbst entscheiden, welche externen Inhalte und Lernformate sie hinzufügen oder mit den Kollegen teilen wollen. Vom E-Learning, über Video-Tutorials, bis hin zum Podcast oder längeren Fachartikeln ist alles möglich. LXPs bieten sich vor allem auch für Microlearning an: Mittels kurzer Lerneinheiten kann zwischendurch genau das gelernt werden, was benötigt wird. Zudem ist es für die Nutzer möglich, Content zu ergänzen und so ihr Lernen mit einer Learning Experience Plattform in einem größeren Umfang selbst zu steuern und zu kontrollieren, als es mit einem klassischen LMS möglich wäre. Sie gestalten ihre Lernumgebung somit selbst. Struktur geben dem System ein persönliches Profil, geplante Karrierewege sowie individuelle Herausforderungen und Aufgaben. Auch die Personalentwicklung sollte einbezogen werden, um in der Interaktion mit der LXP passende Lernangebote für die Nutzer zu finden.

Soziales Lernen und Teamwork fördern mit LXPs

Die Auswertung der persönlichen Daten bildet die Basis für personalisierte Lernempfehlungen, die dazu geeignet sind, Kompetenzlücken zu füllen, sich auf den nächsten Karriereschritt vorzubereiten oder für neue Projekte notwendige Kenntnisse zu erwerben. Über die Plattform finden die Lernenden Lernpartner und Mentoren und vernetzen sich im Unternehmen. Eine LXP fördert die Zusammenarbeit und das soziale Lernen im Unternehmen. Unabhängig davon, ob es sich um Kurse, kuratierte Inhalte oder Diskussionen handelt, können Personalverantwortliche, Teamleiter oder Manager die Lernenden ermutigen, sich über die Lernplattform mit Inhalten auseinanderzusetzen und diese miteinander zu diskutieren. Der Austausch von Informationen fördert die Zusammenarbeit und kann die Dynamik und Leistung des ganzen Teams verbessern.

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Verschiedene Lernformate erleichtern Entwicklung

In der Vergangenheit wurden LXPs bereits als das „Netflix des Lernens“ bezeichnet. Der Vergleich hinkt, denn es gibt nur eine Gemeinsamkeit: Wie bei Netflix oder auch Amazon macht das System auf Basis von Nutzergewohnheiten und den daraus vorliegenden Daten Vorschläge, welche Themen und Inhalte für die Nutzer interessant sind. Allerdings speisen sich die Vorschläge aus nur einer Quelle: Netflix. Schließlich lebt das Portal davon, zahlende Abonnenten für seine Filme und Serien zu gewinnen. Das ist das Ziel.

Eine LXP dagegen erleichtert Entwicklung, indem die Lernenden über Vorschläge hinaus weitgehend selbst entscheiden, aus welchen internen wie externen Quellen, mit welchen Formaten und sogar mit wem sie Lernerfahrung und Wissen erweitern möchten. In der Regel kann alles in den persönlichen Account der Learning Experience Plattform hochgeladen werden, was der Browser verarbeiten und wiedergeben kann.

Individualität fördert Motivation

Eine Antwort auf die Frage, warum ein Learning Experience System im Unternehmen von großem Nutzen ist, liefert ein Blick auf die Lernvorlieben von Menschen, die heute mitten im Berufsleben stehen. Jane Hart, Betreiberin des Blogs „Modern Workplace Learning“ und anerkannte E-Learning-Expertin, stellt ihren Lesern einmal im Jahr die Frage, welche Tools sie zum Lernen nutzen. In der Rangliste der „Top 100 Tools for Learning“ finden sich auf den vorderen Plätzen seit Jahren frei im Internet zugängliche Suchmaschinen, Plattformen und Netzwerke wie Google, YouTube, LinkedIn, Twitter, WhatsApp.

Mary Meeker, Trend-Ikone aus den USA, führt in ihrem aktuellen Internet-Trend-Report auf, dass Anbieter von Online-Kursen wie Udemy oder Massive-Open-Online-Kursen (MOOCs) wie Coursera immense Zuwächse erzielen. Auch Global Industry Analyst Josh Bersin prognostiziert, dass einfache Learning Management Systeme bald ausgedient haben. Denn in einer Learning Experience Plattform lassen sich diese externen Quellen ebenso wie intern kuratierte Lerninhalte zugunsten der Nutzer und unter Kontrolle des Unternehmens kombinieren und an das Lernverhalten anpassen.

Zusammenfassung

Eine Learning Experience Plattform kann Entwicklung erleichtern. Mitarbeitende haben die Möglichkeit, selbstgesteuert ihre persönlichen Entwicklungsthemen in genau den Formaten und mit den Methoden (z. B. Microlearning) zu bearbeiten, die zu ihnen passen. Die eine liest lieber Artikel, der andere hört Podcast oder nimmt am meisten mit, wenn er ein Video ansieht. Die Quellen der Lerninhalte können zwar außerhalb des Unternehmens liegen, aber über eine LXP hat es jederzeit die Einsicht, woher sich die Mitarbeitenden ihr Wissen holen.

Wie ein LMS stellt ein Learning Experience System einen Single Entry Point für die Lernenden im Unternehmen dar. Im Gegensatz zum „klassischen“ LMS handelt es sich hier aber nicht um vorgegebene Inhalte wie zum Beispiel Compliance Schulungen, die verpflichtend absolviert werden müssen und die das Unternehmen darum kontrollieren muss. Das Learning Experience System ist die persönliche Lernumgebung der Nutzer, die sie auf Basis ihrer Entwicklungsziele weitgehend selbst gestalten.

Eine Lernplattform ist vor allem für Unternehmen geeignet, die Mitarbeitenden über verpflichtende Schulungen hinaus Entwicklung und Weiterbildung anbieten wollen oder aufgrund hoher Qualifikationsanforderungen anbieten müssen. Dabei kann es sich um Fachthemen handeln, aber auch um Soft Skills wie Kommunikation oder Stressbewältigung.Da ein Learning Experience System insbesondere auf das selbstgesteuerte Lernen abzielt, erfordert es von den Lernenden ein hohes Maß an Selbstlernkompetenz und Disziplin. Themen und Inhalte müssen selbstständig erarbeitet werden. Das Unternehmen wiederum muss Rahmenbedingungen schaffen, die Mitarbeitenden Zeit und Raum geben, es zu nutzen. Schließlich kann eine LXP das soziale Lernen fördern und Lernenden neue Erfahrungen ermöglichen, indem die Nutzer Informationen austauschen und selbst Lernempfehlungen geben.

Björn Kohnen

Björn Kohnen

Björn Kohnen ist Learning Experience Specialist mit langjähriger Erfahrung unter anderem in den Bereichen Beratung, Instruktionsdesign, digitale Lernmethoden, Gamification und Projektmanagement.

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Oliver Plick

Consultant
Digital Learning Solutions

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