Erfahrungsbericht
Vom KI-Skeptiker zum praktischen Anwender
Serdar Sahin verantwortet als Head of BP Accounting bei Business Power GmbH die Finanzbuchhaltung und führt 18 Mitarbeitende. Fünfzehn Jahre lang hat er zuvor als kommerzieller Projektleiter internationale Anlagenbauprojekte gesteuert. Seine eigene Kommunikation war ihm dabei immer wichtig. KI-Tools hat er lange bewusst nicht genutzt. Gemeinsam mit einer Kollegin und seiner Führungskraft besuchte er dann das Seminar „KI in der Führung“ der Haufe Akademie. Im Interview erzählt er, wie KI ihn heute bei Routinen unterstützt und wie das Seminar seine Haltung zu KI verändert hat.
Serdar, was hat dich zur Teilnahme am Seminar „KI in der Führung“ bewegt?
Da kamen eigentlich zwei Dinge zusammen. Unsere Geschäftsführung hatte ein Programm für KI-Power-User gestartet und in dem Zuge auch die Führungskräfte ermutigt, sich auf dem Gebiet weiterzubilden. Ins Rollen kam es dann aber im wöchentlichen Jour fixe mit meiner Chefin und einer Kollegin. Die beiden nutzten KI schon, ich dagegen kaum. Beruflich hatte ich KI einmal bei unserer Offene-Posten-Liste ausprobiert. Das ging dann aber so oft hin und her, bis ich es am Ende doch selbst gemacht habe. Privat hatte ich KI nie genutzt. Ich war einfach oldschool, meine Recherchen habe ich ganz klassisch über Google gemacht. Ich habe lange keinen Bedarf gesehen. Meine Art zu kommunizieren war immer eine meiner Stärken, mündlich wie schriftlich. KI-Texte fand ich dagegen emotionslos. Mit 18 Mitarbeitenden unter mir dachte ich mir dann aber: Mit KI kann ich manches effizienter lösen. Und meine Vorgesetzte und meine Kollegin wollten ihre Basics vertiefen. Also haben wir uns nach einem passenden Seminar umgesehen und sind bei der Haufe Akademie fündig geworden.
Im Seminar hast du gemerkt, dass viele Teilnehmende KI längst selbstverständlich nutzen. Wie hat sich das angefühlt?
Ehrlich gesagt, das hat mich echt wachgerüttelt. Ich habe gesehen, wie selbstverständlich die anderen schon damit arbeiten. Plötzlich habe ich mich 20 Jahre zurückversetzt gefühlt. Damals als Young Professional habe ich selbst ältere Kollegen belächelt, die mit Neuem nichts anfangen wollten.
Trotzdem hatte ich im Seminar nie das Gefühl, abgehängt zu sein. Die Trainerin hat von Anfang an darauf geachtet, dass wirklich alle mitkommen. Sie ist immer wieder zu uns gekommen, hat Unterstützung angeboten und zwischendrin nachgefragt, ob noch alles klar ist oder ob jemand unterfordert ist. Für die, die schneller durchgestiegen sind, gab es dann auch mal schwierigere Zusatzaufgaben. Es wurde wirklich jeder auf seinem eigenen Niveau gefordert.
Gab es einen Aha-Moment, wo du dachtest: „Wow, das geht mit KI?“
Ja, definitiv. Am zweiten Tag mussten wir einen Datenschutzvorfall simulieren. Wir hatten nur zehn Minuten, um mehrere Inhalte zu erstellen, unter anderem Mitteilungen an die Belegschaft, Aktionäre sowie Betriebsrat und sogar einen Notfallplan für die Geschäftsführung. Wir haben dafür in Gruppen verschiedene KI-Tools ausprobiert. Was soll ich sagen, ich war echt baff, wie professionell die Ergebnisse waren. In kurzer Zeit hatten wir einen strukturierten Notfallplan und die generierten Texte waren schon fast druckreif. Natürlich hätte man hier und da noch feilen können, aber für zehn Minuten? Krass! Dass so eine komplexe Aufgabe so viel schneller geht mit KI, hätte ich echt nicht erwartet.
Was hat sich nach dem Seminar in deinem Arbeitsalltag verändert?
Ich nutze KI inzwischen deutlich häufiger als früher. Zum Beispiel lasse ich mir lange Mailverläufe zusammenfassen, das spart einfach Zeit. Und ich lasse mir zeigen, was nächste Woche ansteht, was ich vorbereiten muss und wo ich noch auf Rückmeldung warte. Und wenn’s mal knifflig wird, gerade bei Personalthemen, hol ich mir gern eine zweite Perspektive. Die KI gibt zwar nicht die eine perfekte Lösung vor, aber sie hilft mir, mal anders auf die Sache zu schauen. Am Ende entscheide ich natürlich trotzdem immer noch selbst. Ehrlich gesagt nutze ich KI noch nicht so oft, wie ich vermutlich sollte. Aber da hilft nur Übung. Deshalb probiere ich es inzwischen auch privat aus, zum Beispiel bei der Reiseplanung.
Woran merkt dein Team, dass du an dem Seminar teilgenommen hast?
Ich denke vor allem an unsere neuen Prozessbeschreibungen. Vorher gab’s da bei uns kaum was Schriftliches. Wie wir bestimmte Abläufe handhaben, stand nirgends, und das hat sich im Alltag immer wieder bemerkbar gemacht. Nach dem Seminar habe ich mit KI ein paar wichtige Abläufe verschriftlicht, zum Beispiel wie wir mit offenen Forderungen umgehen oder ab wann wir eine Mahnung rausschicken. Das hat nur etwa zehn Minuten gedauert, und ehrlich: Von Hand hätte ich locker einen halben Tag drangesessen. Ich sag im Team auch ganz offen, dass die Entwürfe mit KI entstanden sind, damit sich mehr Leute trauen.
Die meisten im Team arbeiten inzwischen selbst mit KI, aber es gibt immer noch ein paar, die sich nicht so recht rantrauen. Da hilft es, wenn ich offen erzähle, dass ich selbst am Anfang ziemlich skeptisch war. Das baut die Hemmschwellen etwas ab.
Wem würdest du das Seminar empfehlen?
Gerade Führungskräften, die KI bisher eher skeptisch sehen, so wie ich. Wer ein größeres Team leitet, kann mit KI einiges effizienter lösen. Vorkenntnisse braucht man nicht. Ich war selbst totaler Anfänger, während viele andere schon richtig fit waren. Die Trainerin hat trotzdem alle abgeholt. Und ich bin überzeugt, dass man sein Team leichter für KI gewinnen kann, wenn man sich selbst intensiver mit dem Thema beschäftigt.
Zum Seminar: KI in der Führung
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