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Learning Experience Design: Vom E-Learning zum echten Lernerlebnis

Lesezeit: 5 Min
Learning Experience Design (LXD) stellt die Lernenden in den Mittelpunkt und gestaltet Lernen als motivierendes Erlebnis.

Warum nutzen Mitarbeitende manche Lernangebote begeistert, während sie andere ignorieren? Der Unterschied liegt selten im Inhalt, sondern in der Lernerfahrung. Learning Experience Design (LXD) überträgt die Prinzipien des User Experience Designs auf Lernprozesse: Die Lernenden stehen im Mittelpunkt, ihre Bedürfnisse bestimmen die Gestaltung. Statt zu fragen „Was sollen sie lernen?”, fragt LXD „Wie erleben sie das Lernen?” und verwandelt passiven Wissenskonsum in motivierende Erlebnisse, die im Arbeitsalltag wirken.

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Learning Experience: Das Wichtigste in Kürze

  • Learning Experience Design (LXD) stellt die Lernenden in den Mittelpunkt und gestaltet Lernen als motivierendes Erlebnis anstatt reiner Wissensvermittlung.
  • Anders als Instructional Design liegt der Fokus nicht auf dem „Was”, sondern auf dem „Wie”. Die Erfahrungen und Emotionen der Lernenden bestimmen die Gestaltung.
  • Der LXD-Umsetzungsprozess umfasst vier Phasen: verstehen, konzipieren, gestalten und testen – iterativ und auf Basis von Design Thinking.
  • Eine Learning Experience Plattform (LXP) bietet personalisierte, selbstgesteuerte Lernpfade, während ein LMS die administrative Struktur und Lernplattform-Funktionen bereitstellt.
  • LXD steigert die Akzeptanz und den Transfer messbar: Lernangebote werden stärker genutzt und Gelerntes schneller im Arbeitsalltag angewendet.

Was ist Learning Experience Design?

Learning Experience Design bezeichnet den Prozess, Lernumgebungen so zu gestalten, dass sie den Bedürfnissen und dem Kontext der Lernenden entsprechen. Im Kern geht es darum, Lernen als Erlebnis zu begreifen und nicht nur als Wissensvermittlung. LXD verbindet dabei Erkenntnisse aus der Kognitionswissenschaft, Motivationspsychologie und dem User Experience Design.

Anders als traditionelle E-Learning-Ansätze fokussiert sich LXD nicht primär darauf, Inhalte digital bereitzustellen. Vielmehr entsteht eine durchdachte Lernerfahrung, die vom ersten Kontakt mit einem Lerninhalt bis zur erfolgreichen Anwendung im Arbeitsalltag reicht. Diese Herangehensweise macht den Unterschied zwischen Lernangeboten, die ignoriert werden, und solchen, die echtes Engagement auslösen.

Was ist der Unterschied zwischen LXD und Instructional Design?

Beide Ansätze verfolgen das Ziel, wirksame Lernlösungen zu entwickeln. Sie unterscheiden sich jedoch grundlegend in ihrer Herangehensweise.

  • Instructional Design (ID) konzentriert sich auf die Frage: Was wird unterrichtet? Ausgangspunkte sind Lernziele und didaktische Modelle. ID plant systematisch, wie Wissen effektiv vermittelt wird, oft mit linearer Struktur.
  • Learning Experience Design (LXD) stellt dagegen die Frage: Wie erleben Lernende den Prozess? Ausgangspunkte sind die Bedürfnisse, der Kontext und die Motivation der Lernenden. LXD arbeitet iterativ mit Prototyping und Feedback-Schleifen.

Die Fokusverschiebung ist entscheidend: Während ID auf Inhalt und Struktur setzt, legt LXD den Schwerpunkt auf Erfahrung und Emotion. Beide Ansätze können sich ergänzen: ID liefert die didaktische Struktur, LXD sorgt für eine ansprechende, nutzerzentrierte Umsetzung.

Learning Experience Plattform: Personalisierte Lernpfade für Ihre Mitarbeitenden

Eine Learning Experience Plattform (LXP) stellt den Lernenden in den Mittelpunkt und ermöglicht selbstgesteuertes, individuelles Lernen. Mit der LXP der Haufe Akademie gestalten Sie adaptive Lernerfahrungen, die sich an die Bedürfnisse Ihrer Teams anpassen.

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Diese Prinzipien machen LXD erfolgreich

Erfolgreiches Learning Experience Design basiert auf vier Prinzipien für motivierende und praxisnahe Lernangebote.

1. Lernerzentrierung: Die Lernenden im Mittelpunkt

Der wichtigste Grundsatz lautet: Verstehe die Lernenden. Wer ist die Zielgruppe? Welches Problem löst das Lernangebot? In welchem Kontext findet Lernen statt? Die Entwicklung von Learner Personas hilft, Bedürfnisse präzise zu erfassen und relevante Lernerfahrungen zu schaffen.

2. Design Thinking im Lernprozess

LXD nutzt Design Thinking, um Lösungen zu entwickeln, die funktionieren. Der iterative Prozess besteht aus fünf Phasen:

  1. Empathize: Lernende verstehen
  2. Define: Lernbedarf formulieren
  3. Ideate: Lösungsansätze entwickeln
  4. Prototype: testbare Versionen erstellen
  5. Test: Feedback einholen und optimieren

3. Psychologische Grundlagen nutzen

Wirksame Lernerfahrungen berücksichtigen, wie Menschen lernen und was sie motiviert. Die Motivationspsychologie unterscheidet zwischen intrinsischer Motivation (Lernen aus eigenem Antrieb) und extrinsischer Motivation (Lernen durch äußere Anreize).

Die Kognitionswissenschaft liefert Erkenntnisse zu Chunking (Informationen in verdauliche Einheiten teilen), Spaced Repetition (zeitlich verteiltes Wiederholen) und Cognitive Load (kognitive Belastung reduzieren).

4. Relevanz und Kontext: Learning in the Flow of Work

Die Integration des Lernens in den Arbeitsalltag ist ein zentrales Merkmal von LXD. Learning in the Flow of Work bedeutet, dass Mitarbeitende genau dann lernen, wenn sie das Wissen benötigen. Microlearning und Learning Nuggets (kurze, fokussierte Lerneinheiten) ermöglichen Lernen im Moment of Need.

Content Kit: Modulare Learning Nuggets für individuelle Lernpfade

Learning Nuggets als flexible Bausteine ermöglichen es Ihnen, maßgeschneiderte Lernerfahrungen zu gestalten. Mit dem Content Kit der Haufe Akademie entwickeln Sie individuelle Learning Journeys, die zu den Bedürfnissen Ihrer Lernenden passen.

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So setzen Sie LXD in der Praxis um

Die konkrete Umsetzung von Learning Experience Design in der Personalentwicklung folgt einem eigenen vierstufigen Prozess. Dieser überträgt die Design-Thinking-Prinzipien auf die praktische Arbeit und strukturiert den Weg von der Analyse bis zur finalen Implementierung.

Umsetzung von Learning Experience Design in der Praxis: 4 Phasen

Phase 1: Verstehen (Discover)

Sie erstellen Learner Personas für typische Nutzergruppen und führen eine Lernbedarfsanalyse aus Nutzersicht durch. Die Kontextanalyse klärt, wo, wann und wie Mitarbeitende lernen: während der Arbeit, unterwegs oder zu festen Lernzeiten.

Phase 2: Konzipieren (Define & Ideate)

Sie entwickeln die Learning Journey, also den Weg vom ersten Kontakt mit dem Lerninhalt bis zur Anwendung. Sie definieren Meilensteine und Touchpoints und entwickeln erste Ideen für Lernformate wie Microlearning, Social Learning oder Simulationen.

Phase 3: Gestalten (Design & Prototype)

Sie wählen Medien, Interaktionen und Aktivitäten aus, die zur Zielgruppe und zum Lernziel passen. Beispiele sind Microlearning-Module, Simulationen, Peer-Feedback oder kollaborative Formate. In dieser Phase entstehen erste Prototypen als testbare Versionen, die das Konzept erlebbar machen.

Phase 4: Testen und Iterieren (Test & Implement)

Sie erproben Prototypen mit einer kleinen Testgruppe, holen Feedback ein und werten Nutzungsdaten aus. Dieser iterative Ansatz stellt sicher, dass die finale Lernplattform oder der Lernpfad funktioniert und akzeptiert wird.

Learning Management System: Lernen strukturiert verwalten

Ein Learning Management System (LMS) bietet die Grundlage dafür, Lernprozesse strukturiert zu verwalten und nachzuverfolgen. Mit dem LMS der Haufe Akademie behalten Sie den Überblick über alle Lernaktivitäten und messen, wie erfolgreich Ihre Programme sind.

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Warum LXD zum strategischen Vorteil wird

Learning Experience Design ist ein strategischer Hebel für erfolgreiche Personalentwicklung. Unternehmen, die LXD einsetzen, profitieren mehrfach:

  • Steigerung der Akzeptanz: Wenn Lernangebote zu den Bedürfnissen der Lernenden passen, steigen die Beteiligungs- und Abschlussquoten deutlich.
  • Verbesserter Lerntransfer: LXD verknüpft Lerninhalte und Arbeitsleistung noch mehr miteinander. Mitarbeitende wenden Gelerntes schneller an.
  • Attraktivität als Arbeitgeber: Hochwertige Lernangebote sind ein Employer-Branding-Faktor und zeigen, dass Sie in Entwicklung investieren.
  • Effizienzsteigerung: Indem Sie frühzeitig testen und ineffektive Ideen verwerfen, reduzieren Sie Entwicklungskosten.
  • Messbarkeit (Learning Analytics): Nutzerzentrierte KPIs wie Engagement-Rate oder Anwendungsquote ermöglichen eine bessere Erfolgsmessung.

Welche Tools und Plattformen brauchen Sie für LXD?

Von der Planung über die Umsetzung bis hin zur Erfolgsmessung: Moderne Technologien unterstützen Sie dabei, Learning Experience Design umzusetzen. Verschiedene Plattformen und Tools spielen dabei eine wichtige Rolle.

Learning Experience Plattformen

Learning Experience Plattformen (LXP) stellen den Lernenden in den Mittelpunkt. Sie ermöglichen selbstgesteuertes, personalisiertes Lernen mit adaptiven Lernpfaden, die sich an die individuellen Bedürfnisse anpassen.

Lernende wählen Inhalte nach Interesse und Bedarf, entdecken neue Themen und erhalten Empfehlungen basierend auf ihrem Verhalten. Die Plattform lernt mit und schlägt relevante Inhalte vor.

Learning Management Systeme

Learning Management Systeme (LMS) bieten die Grundlage dafür, Lernprozesse strukturiert zu verwalten und nachzuverfolgen. Sie organisieren Kurse, koordinieren Anmeldungen, tracken Fortschritte und erstellen Reports.

Während die LXP sich auf die Lernerfahrung und Selbststeuerung konzentriert, sorgt das LMS für administrative Struktur und Compliance. Beide Systeme ergänzen sich und bilden gemeinsam eine umfassende Lernumgebung.

Prototyping- und Kollaborationstools

Prototypingtools sind unverzichtbar, wenn Sie Lernerfahrungen zügig entwickeln und iterieren wollen. Sie ermöglichen es, Ideen zu visualisieren und zu testen, ohne aufwendig entwickeln zu müssen.

Kollaborationsplattformen unterstützen agile Teams dabei, gemeinsam an Lernlösungen zu arbeiten.

Analytics-Tools liefern Daten dazu, wie Lernangebote genutzt werden und wie erfolgreich sie sind – eine wichtige Grundlage, um die Lernerfahrung kontinuierlich zu optimieren.

Was macht ein:e Learning Experience Designer:in?

Learning Experience Designer:innen entwickeln nutzerzentrierte Lernlösungen. Sie analysieren Lernbedarfe aus der Perspektive der Lernenden, konzipieren Learning Journeys und setzen diese mit geeigneten Tools um. Sie arbeiten an der Schnittstelle zwischen Personalentwicklung, IT und Fachbereichen.

Die Rolle entwickelt sich kontinuierlich weiter: Während klassische Personalentwickler:innen vor allem Lerninhalte planen, gestalten Learning Experience Designer:innen Erfahrungen. In manchen Unternehmen entstehen bereits Positionen wie „LXD Lead” oder „Chief Learning Experience Officer”.

Benötigte Kompetenzen

Learning Experience Designer:innen benötigen ein breites Kompetenzspektrum:

  • Empathie und Nutzerforschung: Sie verstehen, wie Lernende denken und handeln.
  • Visualisierung und Storytelling: Sie machen Lerninhalte erlebbar.
  • Agiles Arbeiten: Sie testen früh, holen Feedback ein und passen Lösungen an.
  • Didaktisches Wissen: Sie wissen, wie Lernen funktioniert und welche Methoden wirken.
  • Technisches Verständnis: Sie kennen digitale Lerntools und setzen diese gezielt ein.

Mit der Haufe Akademie zu besseren Lernerlebnissen

Wirksame Lernerfahrungen entstehen nicht nur durch gute Konzepte. Sie brauchen die passende technologische Basis und Inhalte, die wirklich bewegen. Die Haufe Akademie bietet Ihnen die Grundlage, um Learning Experience Design nachhaltig in Ihrem Unternehmen zu etablieren.

Was Sie davon haben:

  • Lösungen, die mit Ihrem Unternehmen wachsen, und das größenunabhängig
  • direkt in den Arbeitsalltag integrierbare Inhalte
  • nahtlose Anbindung an Ihre bestehenden Systeme
  • kontinuierliche Updates, die aktuelle Lerntrends abbilden
  • Beratung auf Augenhöhe für Ihre spezifischen Anforderungen

FAQ

Welche Vorteile bietet Learning Experience Design gegenüber traditionellem E-Learning?

LXD konzentriert sich auf die gesamte Lernerfahrung, nicht nur auf die Bereitstellung von Inhalten. Das führt zu höherem Engagement, besseren Abschlussquoten und einem stärkeren Transfer in die Praxis. Mitarbeitende erleben Lernen als relevant und motivierend, weil es zu ihren Bedürfnissen passt.

Wie messe ich den Erfolg von Learning Experience Design?

Neben klassischen Abschlussquoten nutzen Sie nutzerzentrierte KPIs: Engagement-Rate (Wie aktiv nutzen Lernende das Angebot?), Time on Task (Wie lange beschäftigen sie sich mit Inhalten?), Anwendungsquote (Setzen sie Gelerntes um?) und qualitatives Feedback aus Umfragen oder Interviews.

Welche Rolle spielt eine Learning Experience Plattform (LXP) beim LXD?

Eine LXP ist die technische Grundlage für personalisierte Lernpfade. Sie ermöglicht selbstgesteuertes Lernen, passt Inhalte an individuelle Bedürfnisse an und gibt Empfehlungen basierend auf dem Nutzerverhalten. So wird die Lernerfahrung relevant und motivierend.

Wie lange dauert die Implementierung von Learning Experience Design?

Das hängt vom Umfang ab. Quick Wins wie die Optimierung einzelner Lernmodule sind in wenigen Wochen umsetzbar. Die vollständige Transformation zu einer LXD-orientierten Lernkultur (mit neuen Prozessen, Tools und Kompetenzen) kann mehrere Monate dauern. Der iterative Ansatz ermöglicht es, schrittweise zu starten und die Lernlösungen kontinuierlich zu verbessern.