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ITIL® Version 5

ITIL® verstehen: Grundlagen und zentrale Aspekte von ITIL® Version 5

Inhalte

    ITIL® verstehen: Grundlagen und Neuerungen bis ITIL® Version 5

    ITIL® ist ein etabliertes Framework für IT-Service-Management (ITSM). Es unterstützt Organisationen dabei, IT-Services und digitale Produkte strukturiert, effizient und wertorientiert zu steuern.

    Der Beitrag gibt einen Überblick über Ziele, zentrale Konzepte und die Entwicklung von ITIL® bis ITIL® Version 5. Dabei werden Historie und frühere Versionen ebenso eingeordnet wie aktuelle Ansätze rund um Produktorientierung, Wertströme und Automatisierung.

    Im Fokus stehen das Service Value System (SVS), Guiding Principles, Management Practices sowie zentrale Konzepte wie Value, Stakeholder und Messbarkeit. Ergänzend werden typische Praxisbausteine und Zertifizierungspfade im ITIL®-Umfeld dargestellt.

    Das Wichtigste in Kürze

    • Was ist ITIL®? ITIL® ist ein Framework für IT-Service-Management, das Organisationen dabei unterstützt, IT-Services und digitale Produkte strukturiert, effizient und wertorientiert bereitzustellen.
    • Was ist neu in ITIL® Version 5? ITIL® Version 5 baut auf ITIL® 4 auf und stärkt Produktorientierung, Wertstromdenken, Governance sowie die Integration von Automatisierung, KI und Plattformökosystemen.
    • Zentrale Konzepte von ITIL®: Dazu gehören das Service Value System (SVS), Guiding Principles, Management Practices sowie Kernbegriffe wie Utility, Warranty, Stakeholder und Messbarkeit.
    • Wie wird ITIL® praktisch umgesetzt? Typische Instrumente sind SLAs, OLAs und CMDBs, die Transparenz, Steuerbarkeit und stabile Servicebereitstellung unterstützen.
    • ITIL® Zertifizierungen: Die modulare Zertifizierungsstruktur ermöglicht den Einstieg über Foundation-Trainings sowie den Übergang von ITIL® 4 zu ITIL® Version 5 durch Bridge-Formate.

    ITIL®: Definition und Zielsetzung

    [DEFINITION][ITIL®][ITIL® (Information Technology Infrastructure Library) ist ein weltweit anerkanntes Framework für IT-Service-Management (ITSM). Es bietet eine strukturierte Herangehensweise zur Planung, Bereitstellung und Verbesserung von IT-Services. Ziel ist es, Services optimal auf Geschäftsanforderungen und Kundenerwartungen auszurichten. Durch etablierte Best Practices unterstützt ITIL® Organisationen dabei, Prozesse zu standardisieren, Ressourcen effizient zu nutzen und die Servicequalität nachhaltig zu verbessern.]

    Ziel von ITIL® ist es, Organisationen bei der kontinuierlichen Verbesserung ihrer IT-Services zu unterstützen und diese konsequent an geschäftlichen Anforderungen auszurichten. Mit ITIL® Version 5 wird dieser Anspruch um eine stärkere Produkt-, Wertstrom- und Automatisierungsperspektive erweitert. Im Fokus stehen insbesondere folgende Aspekte:

    • Servicequalität steigern: ITIL® stellt Best Practices bereit, um Services konsistent, zuverlässig und gemäß definierter Standards bereitzustellen.
    • Effizienz erhöhen: Standardisierte Abläufe verbessern die Ressourcennutzung, reduzieren Kosten und steigern die operative Leistungsfähigkeit. ITIL® Version 5 betont zusätzlich Automatisierung und integrierte Wertströme.
    • Kundenzufriedenheit fördern: ITIL® richtet Services konsequent an Kundenbedürfnissen aus. Wichtige Faktoren sind schnelle Reaktionszeiten, transparente Kommunikation und klar erkennbarer Mehrwert.

    ITIL® Version 5: Einordnung und zentrale Neuerungen

    Mit der neuen ITIL® Version 5 (im Markt oft kurz ITIL® 5 oder von PeopleCert als „The new ITIL“ bezeichnet) wird das Framework gezielt an die Anforderungen moderner digitaler Organisationen angepasst. Die Version versteht sich als Evolution, die konsequent auf ITIL® 4 aufbaut und bewährte Konzepte wie das Service Value System oder die Guiding Principles beibehält.

    Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf dem ganzheitlichen Management digitaler Produkte und Services. ITIL® Version 5 trägt der Realität Rechnung, dass Wertschöpfung zunehmend über Plattformen und integrierte Ökosysteme erfolgt. Dabei bricht das Framework klassische Silos auf: Es richtet sich nicht mehr nur an die IT, sondern bietet eine gemeinsame Sprache für Produktmanagement, Fachbereiche und Führungskräfte. Neben der Effizienz rücken zudem die Customer Experience und Employee Experience als strategische Erfolgsfaktoren fest in den Fokus.

    Auch technologische Entwicklungen sind nun tiefer verankert. ITIL® Version 5 ist explizit AI-native konzipiert und bietet Orientierung in komplexen, KI-gestützten Umgebungen. Themen wie Automatisierung, datengetriebene Entscheidungen und nachhaltige digitale Betriebsmodelle sind integraler Bestandteil. Dabei wird Governance klarer vom operativen Management abgegrenzt und strategisch gestärkt.

    Insgesamt führt die neue Version einen erweiterten Product & Service Lifecycle ein, der eine durchgängige, wertorientierte Steuerung von der ersten Idee bis zum stabilen Betrieb ermöglicht. Für einen strukturierten Einstieg bieten sich Foundation-Trainings sowie spezielle Bridge-Formate an, die den Übergang von ITIL® 4 zu ITIL® Version 5 unterstützen. Hier findest du eine Übersicht zu entsprechenden Kursangeboten:

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    Ursprung, Historie und Versionen von ITIL®

    Die heutigen Konzepte von ITIL® sind das Ergebnis einer kontinuierlichen Weiterentwicklung. Ein Blick auf Ursprung und Versionen hilft, diese Entwicklung besser zu verstehen.

    ITIL® wurde in den 1980er Jahren von der britischen Regierung initiiert, um die Qualität und Effizienz von IT-Services im öffentlichen Sektor zu verbessern. Heute wird das Framework durch den Rechteinhaber und Zertifizierungsanbieter PeopleCert weiterentwickelt und über ein globales Netzwerk akkreditierter Trainingsanbieter verbreitet.

    Die Entwicklung von ITIL® zeigt eine kontinuierliche Anpassung an technologische und organisatorische Veränderungen:

    ITIL® v1 (1989): Fokus auf eine Sammlung von Best Practices für IT-Services. Ziel war die systematische Verbesserung von IT-Leistungen in öffentlichen und privaten Organisationen.

    ITIL® v2 (2001): Stärkere Strukturierung und Ausrichtung auf zentrale ITSM-Prozesse, darunter Incident Management und Problem Management. Die Publikationen Service Support und Service Delivery etablierten sich als zentrale Referenzen.

    ITIL® v3 (2007): Einführung des Service Lifecycle mit fünf Phasen: Service Strategy, Service Design, Service Transition, Service Operation und Continual Service Improvement. Der Fokus lag auf einer ganzheitlichen Steuerung über den gesamten Lebenszyklus von IT-Services.

    ITIL® 4 (2019): Neuausrichtung auf Wertschöpfung, Zusammenarbeit und Flexibilität. ITIL® 4 integrierte Ansätze wie Agile, DevOps und Lean. Zentrale Konzepte sind das Service Value System und die Guiding Principles.

    ITIL® Version 5: Weiterentwicklung von ITIL® 4 für eine digitale und produktzentrierte Arbeitswelt. ITIL® Version 5 stärkt die Integration von digitalen Produkten, Wertströmen und Governance. Zudem berücksichtigt das Framework verstärkt Automatisierung, KI-gestützte Prozesse und Plattformökosysteme. Ein erweitertes Lifecycle-Modell für Produkte und Services unterstützt eine durchgängige, wertorientierte Steuerung.

    ITIL® hat sich damit von einem prozessgetriebenen Ansatz zu einem flexiblen, wert- und produktorientierten Framework entwickelt, das die Anforderungen moderner Organisationen abbildet.

    Phasen und Kernthemen (nach ITIL® 3)

    In ITIL® 3 bildete der Service Lifecycle den zentralen Bezugsrahmen für das Management von IT-Services. Er strukturierte Planung, Bereitstellung und Verbesserung entlang eines durchgängigen Lebenszyklus.

    Der Service Lifecycle umfasst fünf Kernphasen:

    1. Service Strategy

    Ziel: Strategische Planung von IT-Services in Abstimmung mit Geschäftszielen
    Kernthemen: Serviceportfolios, Kundenanforderungen, Kostenmanagement

    2. Service Design

    Ziel: Gestaltung von Services gemäß fachlichen und technischen Anforderungen
    Kernthemen
    : SLAs, Verfügbarkeit, Servicekatalog

    3. Service Transition

    Ziel: Einführung und Änderung von Services mit minimalen Störungen
    Kernthemen
    : Release und Change Management, Wissensbereitstellung

    4. Service Operation

    Ziel: Stabiler Betrieb und Nutzerunterstützung
    Kernthemen
    : Incident Management, Problem Management, Zugriffskontrolle

    5. Continual Service Improvement

    Ziel: Kontinuierliche Analyse und Optimierung von Services
    Kernthemen
    : Verbesserungsmaßnahmen, Qualitätsmanagement

    Mit ITIL® 4 wurde der Lifecycle durch ein wertstromorientiertes Modell ersetzt, das auf dem Service Value System und flexiblen Management Practices basiert. ITIL® Version 5 entwickelt diesen Ansatz weiter und erweitert ihn um eine produktzentrierte Perspektive sowie einen integrierten Product & Service Lifecycle.

    Die grundlegenden Ideen aus ITIL® 3 bleiben jedoch relevant, insbesondere als konzeptionelle Grundlage und zur Einordnung historischer Prozessmodelle.

    Service Value System in ITIL® 4 und ITIL® Version 5

    In ITIL® 4 bildet das Service Value System (SVS) den zentralen Rahmen für die Erstellung, Bereitstellung und kontinuierliche Verbesserung von Services. Es unterstützt Organisationen dabei, Wert für Kunden und das Unternehmen zu schaffen und flexibel auf Veränderungen zu reagieren.

    Auch in ITIL® Version 5 bleibt das Service Value System (SVS) ein grundlegendes Strukturmodell. Die operative Wertschöpfungslogik wird jedoch weiterentwickelt: Die Service Value Chain aus ITIL® 4 wird durch einen Product & Service Lifecycle ersetzt, der eine stärker produktorientierte Perspektive und moderne digitale Wertströme abbildet.

    Das SVS aus ITIL® 4 umfasst fünf Kernelemente:

    1. Guiding Principles (Grundprinzipien)
    Die Guiding Principles sind universelle Handlungsempfehlungen. Sie unterstützen Organisationen bei Entscheidungen und fördern ein konsistentes Vorgehen.

    2. Governance
    Governance beschreibt Strukturen und Richtlinien zur strategischen Steuerung. Sie umfasst Zielausrichtung, Entscheidungsfindung und Leistungsüberwachung. In ITIL® Version 5 wird Governance stärker als eigenständige strategische Disziplin positioniert.

    3. Service Value Chain (Wertschöpfungskette)
    Die Service Value Chain ist ein zentrales Element von ITIL® 4 und umfasst sechs Aktivitäten:

    • Plan: Definition von Vision, Zielen und Richtlinien
    • Improve: Kontinuierliche Optimierung von Services und Prozessen
    • Engage: Interaktion mit Kunden und Stakeholdern
    • Design & Transition: Entwicklung neuer oder geänderter Services
    • Obtain/Build: Bereitstellung der erforderlichen Ressourcen
    • Deliver & Support: Betrieb und Unterstützung von Services

    Durch das Zusammenspiel dieser Aktivitäten entstehen Wertströme (Value Streams), über die Services und Produkte entwickelt, bereitgestellt und kontinuierlich optimiert werden.

    In ITIL® Version 5 wird die Service Value Chain als zentrales Steuerungsmodell durch einen erweiterten Product & Service Lifecycle ersetzt. Dieser bildet die End-to-End-Wertschöpfung digitaler Produkte und Services praxisnäher ab und umfasst acht Aktivitäten:

    • Discover: Identifikation von Chancen, Anforderungen und Ideen für neue oder verbesserte Produkte und Services
    • Design: Konzeption von Produkt- und Servicelösungen unter Berücksichtigung fachlicher und technischer Anforderungen
    • Acquire: Beschaffung von Ressourcen, Technologien oder Partnerleistungen zur Umsetzung
    • Build: Entwicklung und Implementierung von Produkt- und Servicekomponenten
    • Transition: Einführung neuer oder geänderter Produkte und Services in den operativen Betrieb
    • Operate: Sicherstellung stabiler Betriebsabläufe und kontinuierlicher Leistungserbringung
    • Deliver: Bereitstellung von Services und Produktfunktionalitäten für Nutzer:innen und Kunden
    • Support: Unterstützung von Nutzer:innen sowie Sicherstellung von Stabilität, Wartung und Weiterentwicklung

    Der Product & Service Lifecycle spiegelt damit eine stärker produktorientierte Perspektive wider und adressiert moderne digitale Wertschöpfungsmodelle sowie integrierte End-to-End-Verantwortung.

    4. Practices (Praktiken)
    Practices ersetzen in ITIL® 4 die früheren Prozesse. Sie umfassen Aktivitäten, Ressourcen und Fähigkeiten zur Steuerung von Services. Insgesamt definiert ITIL® 4 34 Management Practices, die flexibel kombiniert werden können. Dieser practice-basierte Ansatz bleibt auch in ITIL® Version 5 bestehen.

    5. Continual Improvement (kontinuierliche Verbesserung)
    Continual Improvement durchdringt das gesamte SVS. Organisationen werden kontinuierlich zur Optimierung von Prozessen, Technologien und Services angehalten. In ITIL® Version 5 wird dieser Ansatz enger mit Wertstrommanagement und Reifegradmodellen verknüpft.

    Ziel des Service Value System
    Das SVS stellt sicher, dass alle Aktivitäten einer Organisation auf Wertschöpfung ausgerichtet sind. Es verbindet Strategie, Governance, Practices und Wertströme zu einem integrierten Managementansatz für Services und digitale Produkte.

    Guiding Principles von ITIL® 4 und ITIL® Version 5

    Die sieben Guiding Principles bilden einen zentralen Orientierungsrahmen in ITIL®. Sie sind bewusst allgemein gehalten und unabhängig von Organisationsgröße, Technologie oder Arbeitsmodell anwendbar. Die Prinzipien bleiben auch in ITIL® Version 5 unverändert und unterstützen Organisationen bei Entscheidungen im Service- und Produktmanagement.

    1. Fokus auf Wert
    Organisationen sollen konsequent den Kundenwert in den Mittelpunkt stellen und Services bereitstellen, die messbaren Nutzen erzeugen.

    2. Dort beginnen, wo man steht
    Bestehende Ressourcen, Fähigkeiten und Praktiken werden analysiert und gezielt weiterentwickelt, statt vollständig neu aufgebaut.

    3. Iterativ vorgehen und Feedback nutzen
    Kurze Entwicklungszyklen ermöglichen schnelle Ergebnisse und kontinuierliches Lernen durch Feedback.

    4. Zusammenarbeit und Transparenz fördern
    Offene Kommunikation und funktionsübergreifende Zusammenarbeit verbessern Entscheidungsqualität und Umsetzungsgeschwindigkeit.

    5. Ganzheitlich denken und arbeiten
    Services, Produkte und Organisationseinheiten werden als zusammenhängendes System betrachtet, um Abhängigkeiten zu reduzieren.

    6. Einfach und praktikabel gestalten
    Komplexität wird reduziert, indem nur notwendige Aktivitäten umgesetzt und Strukturen regelmäßig hinterfragt werden.

    7. Optimieren und automatisieren
    Nach der Optimierung von Arbeitsweisen unterstützt Automatisierung eine höhere Effizienz und Stabilität. In ITIL® Version 5 gewinnt dieser Ansatz durch KI- und Plattformintegration zusätzliche Bedeutung.

    ITIL® Practices im Detail

    In ITIL® werden Practices als Weiterentwicklung des früheren Prozesskonzepts verstanden. Practices umfassen nicht nur Aktivitäten und Abläufe, sondern auch Ressourcen, Fähigkeiten und Werkzeuge zur Steuerung von Services und Produkten.

    ITIL® 4 definiert insgesamt 34 Practices, die auch in ITIL® Version 5 als grundlegendes Strukturmodell bestehen bleiben. Sie werden in drei Kategorien unterteilt:

    • General Management Practices (Allgemeine Management-Praktiken)
    • Service Management Practices (Service-Management-Praktiken)
    • Technical Management Practices (Technische Management-Praktiken)

    Im Folgenden sind die Practices mit einer kompakten Beschreibung aufgeführt.

    1. General Management Practices (14 ITIL® Practices)

    1. Architecture Management
      Verwaltung der Architektur von Systemen, Prozessen und Technologien
    2. Continual Improvement
      Kontinuierliche Verbesserung von Services, Produkten und Arbeitsweisen
    3. Information Security Management
      Schutz von Informationen hinsichtlich Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit
    4. Knowledge Management
      Strukturierte Nutzung und Bereitstellung von Wissen zur Unterstützung von Entscheidungen
    5. Measurement and Reporting
      Bereitstellung von Kennzahlen und Berichten zur Leistungsbewertung
    6. Organizational Change Management
      Steuerung organisatorischer Veränderungen und deren Auswirkungen
    7. Portfolio Management
      Verwaltung des gesamten Service- und Produktportfolios
    8. Project Management
      Planung, Steuerung und Durchführung von Projekten
    9. Relationship Management
      Aufbau und Pflege von Beziehungen zu Stakeholdern
    10. Risk Management
      Identifikation, Bewertung und Steuerung von Risiken
    11. Service Financial Management
      Steuerung von Kosten, Investitionen und wirtschaftlicher Bewertung von Services
    12. Strategy Management
      Entwicklung und Umsetzung strategischer Ziele
    13. Supplier Management
      Steuerung von Lieferanten und Partnern
    14. Workforce and Talent Management
      Gewinnung, Entwicklung und Bindung von Mitarbeitenden

    2. Service Management Practices (17 ITIL® Practices)

    1. Availability Management
      Sicherstellung der vereinbarten Serviceverfügbarkeit
    2. Business Analysis
      Ermittlung und Dokumentation von Stakeholderanforderungen
    3. Capacity and Performance Management
      Sicherstellung ausreichender Leistungsfähigkeit von Services und Infrastruktur
    4. Change Enablement
      Kontrollierte Umsetzung von Änderungen
    5. Incident Management
      Schnelle Wiederherstellung von Services bei Störungen
    6. IT Asset Management
      Verwaltung von IT-Assets über deren Lebenszyklus
    7. Monitoring and Event Management
      Überwachung von Services und Ereignissen zur frühzeitigen Reaktion
    8. Problem Management
      Identifikation und Beseitigung von Ursachen wiederkehrender Störungen
    9. Release Management
      Bereitstellung neuer oder geänderter Services
    10. Service Catalogue Management
      Pflege und Bereitstellung des Servicekatalogs
    11. Service Configuration Management
      Verwaltung von Configuration Items und deren Beziehungen
    12. Service Continuity Management
      Sicherstellung der Wiederherstellbarkeit von Services
    13. Service Design
      Gestaltung von Services gemäß Anforderungen
    14. Service Desk
      Zentraler Ansprechpartner für Nutzer:innen
    15. Service Level Management
      Sicherstellung der Einhaltung vereinbarter Service Levels
    16. Service Request Management
      Bearbeitung von Serviceanfragen
    17. Service Validation and Testing
      Überprüfung der Funktionsfähigkeit neuer oder geänderter Services

    3. Technical Management Practices (3 ITIL® Practices)

    Diese ITIL® Practices konzentrieren sich auf technische Aspekte des Service Managements:

    1. Deployment Management
      Übertragung neuer oder geänderter Software in die Umgebung
    2. Infrastructure and Platform Management
      Verwaltung der Infrastruktur und Plattformen, die Services unterstützen
    3. Software Development and Management:
      Entwicklung und Verwaltung von Software
    Übersichtsgrafik der 34 ITIL-4-Management-Praktiken, gegliedert in allgemeine, servicebezogene und technische Management-Praktiken.
    34 Management-Praktiken ("Practices")

    Weitere wichtige Konzepte in ITIL®

    Weitere Konzepte aus ITIL® bilden zentrale Grundlagen des IT-Service-Managements (ITSM). Sie unterstützen Organisationen dabei, Services und digitale Produkte effizient zu gestalten und nachhaltigen Mehrwert zu schaffen.

    1. Wertschöpfung durch Nutzen und Garantie

    Wertschöpfung steht im Mittelpunkt von ITIL®. Sie beschreibt den Nutzen, den Kunden oder Organisationen durch Services und Produkte erhalten. Die beiden Schlüsselkomponenten Utility (Nutzen) und Warranty müssen gemeinsam erfüllt sein, damit Wert entsteht.

    Utility (Nutzen):
    Beschreibt, was ein Service leistet. Ein Service erzeugt Nutzen, wenn er Anforderungen erfüllt oder Probleme löst.

    Warranty (Garantie):
    Beschreibt die Anforderungen Verfügbarkeit, Kapazität, Kontinuität und Sicherheit. Sie schaffen Vertrauen in Zuverlässigkeit und Stabilität.

    Ziel von ITIL® ist es, sicherzustellen, dass Services und Produkte sowohl Utility als auch Warranty bieten. Organisationen werden ermutigt, bei Entscheidungen konsequent den Kundenwert zu priorisieren.

    2. Stakeholder

    ITIL® betont die Zusammenarbeit interner und externer Stakeholder. Diese Akteure spielen eine entscheidende Rolle entlang der Wertschöpfung sowie im Produkt- und Service-Lifecycle.

    Wichtige Stakeholder sind:

    Kunden:
    Organisationen oder Einzelpersonen, die den Nutzen eines Services realisieren und Erwartungen an den Wert definieren.

    Nutzer:innen (Endanwender:innen):
    Personen, die direkt mit dem Service interagieren. Ihr Feedback unterstützt Optimierung und Weiterentwicklung.

    Service Provider:
    Organisationen, die Services bereitstellen und steuern. Sie verantworten die Einhaltung von Utility und Warranty.

    Supplier:
    Partner oder Lieferanten, die zur Bereitstellung eines Services oder Produkts beitragen.

    Die Einbindung aller Stakeholder ermöglicht eine effektive Entwicklung und Bereitstellung von Services. ITIL® fördert funktionsübergreifende Zusammenarbeit und Transparenz.

    3. Key Performance Indicators (KPIs) und Messbarkeit

    ITIL® legt großen Wert auf Messbarkeit. Durch systematische Datenauswertung können Organisationen die Effektivität von Services und Wertströmen bewerten und kontinuierlich verbessern.

    Key Performance Indicators (KPIs) dienen dabei als zentrale Kennzahlen:

    Messung der Zielerreichung:
    KPIs bewerten den Grad der Zielerreichung, z. B. die durchschnittliche Bearbeitungszeit eines Incident-Tickets.

    Verbesserungspotenziale identifizieren:
    KPIs machen Schwachstellen sichtbar und unterstützen gezielte Optimierungsmaßnahmen.

    Transparenz schaffen:
    KPIs liefern eine objektive Grundlage zur Kommunikation von Leistung und Wert gegenüber Stakeholdern.

    Der datengestützte Ansatz unterstützt Organisationen dabei, wertorientierte Entscheidungen zu treffen und kontinuierliche Verbesserung entlang von Services, Produkten und Wertströmen umzusetzen.

    ITIL® in der Praxis

    ITIL® ist mehr als ein theoretisches Framework. Seine Stärke zeigt sich in der praktischen Anwendung. Mit etablierten Practices, Methoden und Tools unterstützt ITIL® Organisationen bei der effizienten Steuerung von IT-Services und digitalen Produkten.

    Zentrale Ansätze in der Praxis sind:

    1. Service Level Agreements (SLAs)

    SLAs sind vertragliche Vereinbarungen zwischen einem Service Provider und Kunden. Sie definieren Serviceziele und legen Erwartungen beider Parteien fest.

    Typische SLA-Kennzahlen sind:

    Verfügbarkeit:
    z. B. 99,9 % Uptime pro Monat

    Reaktionszeiten bei Incidents:
    z. B. Erstkontakt innerhalb von 30 Minuten

    In der Praxis ist es wichtig, SLAs realistisch und messbar zu gestalten. So lassen sich Kundenzufriedenheit sichern und Überlastungen von Teams vermeiden.

    2. Operational Level Agreements (OLAs)

    OLAs sind interne Vereinbarungen zwischen Teams oder Abteilungen. Sie unterstützen die Einhaltung von SLAs durch klare Verantwortlichkeiten und abgestimmte Abläufe.

    Während SLAs kundenorientiert sind, regeln OLAs die interne Zusammenarbeit. Sie fördern Transparenz, Abstimmung und effiziente Servicebereitstellung.

    3. Configuration Management Database (CMDB)

    Die Configuration Management Database (CMDB) ist ein zentrales Werkzeug im IT-Service-Management. Sie enthält Informationen über Konfigurationselemente (Configuration Items, CIs) sowie deren Beziehungen.

    Beispiele für CIs sind:

    Hardware: Server, Netzwerkgeräte, Endgeräte
    Software: Anwendungen, Betriebssysteme, Plattformen

    Die zentrale Datenbasis ermöglicht ein besseres Verständnis von Abhängigkeiten und Auswirkungen von Änderungen. Dies unterstützt fundierte Entscheidungen, stabile Services und effektives Incident- sowie Change-Management.

    ITIL®-Zertifizierungen und weiterführende Informationen

    ITIL® zu verstehen und anzuwenden ist eine wichtige Kompetenz im IT-Service-Management. Offizielle Zertifizierungen ermöglichen den strukturierten Kompetenznachweis durch standardisierte Trainings und Prüfungen. Sie unterstützen Fachkräfte dabei, ihr Wissen zu vertiefen und ihre Qualifikation im Service- und Produktmanagement nachzuweisen.

    Die Zertifizierungsstruktur ist modular aufgebaut und deckt verschiedene Erfahrungsstufen sowie Spezialisierungsbereiche ab. Der Einstieg erfolgt in der Regel über Foundation-Zertifizierungen, während weiterführende Module Vertiefungen und Spezialisierungen ermöglichen.

    Wenn du dich vertiefend mit ITIL® beschäftigen möchtest, bietet unser ITIL®-Zertifizierungsguide einen Überblick über Zertifizierungswege, Lerninhalte und mögliche Spezialisierungen.

    Darüber hinaus kannst du einzelne Themen gezielt vertiefen, beispielsweise in Beiträgen zu Management Practices wie Incident Management oder ITIL im Change Management.

    Autor
    Thorsten Mücke
    Thorsten Mücke ist Produktmanager bei der Haufe Akademie und Experte für IT-Kompetenz. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der IT-Weiterbildung und fundiertem Wissen zu IT, künstlicher Intelligenz und neuen Technologien gestaltet er innovative Lernangebote für die Herausforderungen der digitalen Welt.